Eat the Ball

Leidige Geheimniskrämerei

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veröffentlicht: 19.12.2013

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  Was Konsumenten alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: ein Brot, das seine angeblichen spezifischen Eigenschaften einem neuartigen Herstellungsverfahren verdanken soll. Wie das funktioniert, bleibt im Dunkeln.

Das steht drauf: Eat the Ball

Gekauft bei: in vielen Geschäften erhältlich

Das ist das Problem

Eat the Ball ist ein Brot in Ballform. Es soll laut Hersteller vor allem Kinder, Jugendliche und Trendsetter ansprechen und obendrein etliche Eigenschaften haben, die herkömmliches Brot nicht hat: Es bleibt angeblich länger als 24 Stunden frisch, muss lediglich aufgetaut und nicht aufgebacken werden und lässt sich auch wieder einfrieren. 

All diese Eigenschaften werden laut Werbung mit "100 % natürlichen Inhaltsstoffen" erzielt. Wir haben die Zutatenliste des Produkts genau unter die Lupe genommen. Hier sind nur Weizenmehl, Wasser, Butter, Hefe, Zucker, Salz, Gersten- und Weizenmalzmehl angeführt. Es scheint kein einziger Zusatzstoff auf.

Erzeugungsprozess unklar

Wir wollten daraufhin vom Produzenten wissen, wie Eat the Ball erzeugt wird. Durch ein innovatives Herstellungsverfahren, erfuhren wir. Diese Verfahren ermöglicht es demnach, dass die in den verwendeten Zutaten enthaltenen natürlichen Enzyme im Produkt positiv wirken. Und: "Es werden keine, wie auch immer gearteten, gentechnisch veränderten Bestandteile, Bakterien oder Pilze verwendet." Es werden also auch keine Enzyme hinzugefügt. Letzteres ist ja schön zu hören. Aber wie Eat the Ball jetzt tatsächlich erzeugt wird, wissen wir nach wie vor nicht.

Enzyme verändern die Eigenschaften von Teigen

Generell: Mithilfe von Enzymen lassen sich u.a. die Eigenschaften und die Verarbeitungsfähigkeit von Teigen, die Krustenstabilität und Haltbarkeit von Brot, die Eigenschaften von tiefgekühlten Teigen und Backwaren (Gefrier-Tau-Stabilität) verbessern. Werden einem Lebensmittel bei der Herstellung, Verarbeitung, Zubereitung, Behandlung, Verpackung, Beförderung oder Lagerung zu technologischen Zwecken (also als Zusatzstoff) Enzyme zugesetzt (um etwa die Produkteigenschaften zu verbessern), müssen sie in der Zutatenliste angegeben werden.

Generelle Kennzeichnungspflicht wünschenswert

Gelangen Enzyme aber über Zutaten in ein Lebensmittel und haben sie im Enderzeugnis keine technologische Wirkung mehr oder werden sie als Verarbeitungshilfsstoff verwendet, müssen sie in der Zutatenliste nicht aufscheinen. Ob bei der Herstellung eines Lebensmittels Enzyme eingesetzt wurden, ist anhand der Zutatenliste also nicht immer zu erkennen. Aus unserer Sicht wäre eine generelle Kennzeichnungspflicht zu begrüßen!

Derzeit sind zwar keine bedenklichen Nebenwirkungen von Enzymen bekannt; systematische Untersuchungen oder Langzeituntersuchungen wurden bislang aber auch noch nicht vorgenommen. Manche Menschen könnten auf Enzyme allergisch reagieren.

Unser Tipp: Kaufen Sie Brot am besten frisch beim Bäcker ums Eck. Erkundigen Sie sich nach den Zutaten und dem Herstellungsverfahren. Tiefgefrorenes Brot oder Brot, das bei Supermarktketten oder Tankstellen angeboten wird, kommt meistens nicht ohne Zusatzstoffe aus.

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Bild: VKI