Inzersdorfer Rahmschnitzerl

In Form gebracht

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KONSUMENT 5/2011 veröffentlicht: 21.04.2011

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Was Konsumenten alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: Ein Rahmschnitzerl von Inzersdorfer, das in Wahrheit aus Formfleisch besteht.

Das steht drauf: Inzersdorfer Rahmschnitzerl in feiner Rahmsauce mit Spiralen

Gekauft bei: in vielen Geschäften erhältlich

Das ist drin

Ein weißer Teller, darauf g’schmackiges Fleisch mit Sauce und Teigwaren. Drunter die verheißungsvolle Bezeichnung: „Rahmschnitzerl in feiner Rahmsauce mit Spiralen“. Wem da nicht das Wasser im Mund zusammenläuft. Dazu noch der praktische Umstand, dass das Gericht nicht in den Kühlschrank muss, sondern in Küchenkasten oder Speisekammer aufbewahrt werden kann. Muss es einmal ganz schnell gehen – Deckel einstechen, ab in die Mikrowelle und schon gibt es nach ein paar Minuten was Warmes zu essen.

Schaut man genauer hin, vergeht einem allerdings der Appetit. Schnitzerl ist hier nämlich nicht die Bezeichnung für ein kleines Stück Fleisch, wie man blauäugig annehmen könnte, sondern steht für Formfleisch. Dafür werden walnussgroße Fleischstücke in einem Arbeitsgang mit Kochsalz vermischt, eventuell gewürzt und dann mechanisch bearbeitet (gemengt, getumbelt). Unter Anwendung von Druck entsteht aus dieser Mischung schließlich „Formfleisch“. Ein gepresstes Kunstprodukt also, das nichts mit dem klassischen, von einem Fleischstück herunter geschnittenen Schnitzel zu tun hat. Natürlich darf in so einem Fall nicht das Wort Schnitzel auf der Verpackung stehen, „Schnitzerl“ aber schon, denn diese Verkleinerungsform ist im Gegensatz zum Grundwort nirgends definiert. Was ein einzelner Buchstabe und eine gute Marketing- bzw. Werbabteilung alles ausmacht!

Selbstverständlich muss der Verbraucher über diese Art des Produkts informiert werden. Das tut Inzersdorfer auch. Auf der Rückseite der Verpackung findet sich unter dem sehr gut lesbaren Rahmschnitzerl der Zusatz „Aus heimischem Rindfleisch geformt“ – allerdings in so winzig kleiner Schrift, das es kaum mehr zu entziffern ist. Auch die Zutatenliste vermerkt, dass die enthaltenen 15% Rindfleisch „aus kleinen Stücken zusammengesetzt“ wurden. Damit entspricht alles dem Buchstaben des Gesetzes. Selber schuld, wer bei Schnitzerl an Schnitzel denkt. Und ja: Wer sucht, der findet die einschlägigen Infos auch auf der Verpackung, Adlerauge oder Leselupe vorausgesetzt. Nicht fündig wird man erstaunlicherweise auf www.inzersdorfer.at. Dort ist bei den Produkt­beschreibungen die Sache mit dem Formfleisch erstaunlicherweise mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt.

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Kommentare

  • Formfleisch
    von ennsgasse1 am 15.05.2011 um 13:09
    Es ist eine Sauerei was die Firmen den zahlenden Kunden für einen Schrott vorsetzen. Wenn man sich die Bilder auf diesen Produkten ansieht und dann mit dem vergleicht was wirklich drinnen ist kommt einem das Frühstück wieder hoch. Und da ists aber egal ob Inzersdorfer, Iglo oder ähnliche Firmen.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo