AWD: Gericht bestätigt Sammelklage

VKI darf Sammelklage verwenden

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veröffentlicht: 10.09.2009

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Rund 2.500 Konsumenten haben durch fragwürdige Empfehlungen etwa 30 Millionen Euro verloren. Der Vorwurf des VKI lautet: Nicht nur einzelne AWD-Berater haben fehlerhaft beraten. Die Vorgangsweise, auf Teufel komm raus Immofinanzaktien zu verkaufen, hatte System.

Donnerstag, 22.10.2009: Auftakt zur ersten Verhandlung in der Sammelklage des VKI gegen den AWD am Handelsgericht Wien. Der VKI wirft dem AWD systematische Fehlberatung vor. Auf 34 Seiten wird im Schriftsatz ausgeführt, warum.

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So viele Beschwerden wie noch nie

Argument Nummer eins ist schlicht die ­Anzahl der Konsumentenbeschwerden. Zum Vergleich: 2004 hatten sich – ebenfalls in einer AWD-Angelegenheit, die mittlerweile außergerichtlich beigelegt worden ist – 450 Konsumenten gemeldet, im Fall AMIS waren im Jahr 2006 etwa 200 Konsumentenbeschwerden zu verzeichnen, im Zusammenhang mit der Vermittlung von MEL-Zertifikaten waren es 280 Fälle. Die Ver­mittlung von Immofinanz- und Immoeast-Aktien durch den AWD führte hingegen zu über 7.000 Beschwerden beim VKI. Und ­eine Auswertung zeigte: Es ging nicht um einige wenige schwarze Schafe unter den Beratern, die Beschwerdefälle betreffen ­etwa 1.700(!) verschiedene AWD-Berater. Eine Analyse der Beschwerdefälle durch das SORA-Institut bestätigt im Übrigen das Vorliegen von „statistisch überzufällig häufigen“ Beratungsmängeln und dass den ­Anlegerinnen und Anlegern offensichtlich nicht bewusst war, welche Art von Anlagen ihnen verkauft worden waren.

Immobilienaktien als Schwerpunkt

AWD-Unterlagen führen zu der Annahme, dass der Verkauf von Immobilienaktien ganz gezielt (und ohne Berücksichtigung der Anlegerbedürfnisse) forciert wurde. Die damit getä­tigten Umsätze waren auch ein wichtiger Faktor für die AWD-Bilanzen. Interessant: Neben den Abschlussprovisionen für den Vertrieb (die zum größten Teil den AWD-Beratern und Beraterinnen zukamen) erhielt der „unabhängige Finanzoptimierer“ AWD nicht unerhebliche Bestandsprovisionen. Gegenüber den Kunden wurde dieser Umstand nie offengelegt. Daraus lässt sich schließen: Es war gemeinsames Ziel von Immofinanz, Immoeast, Constantia Privatbank (als ­Depotbank) und des AWD, dass möglichst viele Aktien verkauft und dann gehalten wurden. Es war also nicht Absicht des AWD, dass Kunden Gewinne realisieren, und schon gar nicht, dass Kunden Aktien bei sinkenden Kursen verkaufen.

Bild: VKI