Glücksspiel: Wetten fördert das Beten

Orte der Einkehr

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KONSUMENT 6/2011 veröffentlicht: 25.05.2011

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Das kleine Glücksspiel wird in einigen Bundesländern legalisiert. - "Kunde König" - ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck. - Diesmal: Was sich ein Wettbürobetreiber so denkt.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasbock (Bild: VKI)Schau’n Sie, in England haben die Leute sogar darauf gewettet, welchen Hut die Queen bei der Prinzenhochzeit tragen wird. Das zeigt doch, dass die Wettkultur bis in die höchsten Kreise hineinspielt, also erzählen Sie bitte keine Schauermärchen von Abzocke oder Deppensteuer! Das Spielen ist ein menschliches Grundbedürfnis, und das Träumen vom großen Gewinn regt die Phantasie an, was also soll daran schlecht sein?

Unvergessliches Prickeln

Ich könnte Ihnen von Spielern erzählen, die mir bestätigt haben: Das Prickeln, wenn es um Überleben oder Ruin geht, ist einzigartig, das vergisst man nie mehr, da spürt man sich als Mensch erst richtig. Ich wage sogar zu behaupten: Das Wetten bringt mehr Leute zum Beten als sonstwas, und gegen das Beten kann ja wohl niemand etwas haben. So gesehen könnte man mein Wettlokal durchaus als Ort der inneren Einkehr bezeichnen.

Blödsinn! Wenn einer das Spiel sucht, hat er noch lange keine Spielsucht! Und hätten’s die Leute nicht, so täten sie’s nicht. Oft ist es ja wirklich erstaunlich, welche Summen gute Kunden im Lauf der Zeit zu uns tragen. Leider kommt es gerade bei den besten Zahlern vor, dass sie finanziell ausbrennen. In solchen Fällen ist unsere Mission beendet, dann reichen wir die Klienten an den Sozialstaat oder eine Selbsthilfegruppe weiter. Zum Teil auch an die Justiz, etwa wenn es bei der Kapitalbeschaffung zu Unregelmäßigkeiten wie Unterschlagungen etc. gekommen ist. So etwas bedauern wir natürlich, aber man muss auch bedenken, dass Spielschulden Ehrenschulden sind.

Arbeit? Bringt´s nicht!

Wegen dieser Ausfälle ist es wichtig, dass die Nachwuchsarbeit stimmt. Sehr wichtig dabei ist ein gesellschaftliches Klima, welches der Jugend vermittelt, dass man mit Arbeit sowieso nie auf einen grünen Zweig kommt. Und wenn Zocker jeder Art als Vorbilder gelten, ist das auch hilfreich. So gesehen scheinen wir auf einem guten Weg zu sein.

Zum Schluss noch eine Warnung: Es ist äußerst geschmacklos, wenn Verlierer ausgerechnet ein Wettbüro überfallen. Das ist nicht die feine englische Art, außerdem beißt man nicht die Hand, die einem das Brot aus dem Mund nimmt!

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