Kunde König

Konsument 5/1999

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Konsument 5/1999 veröffentlicht: 01.05.1999

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Die Gefahren
des Gartens

Eigener Herd ist Goldes wert. Das ist aber nichts gegen einen eigenen Garten: Ein Stück Paradies, in dem die tief verwurzelte Sehnsucht, die Scholle (damit ist nicht der Fisch gemeint) zum Blühen zu bringen, ihre Erfüllung findet. Die Vorteile sind bekannt. Körperliche Betätigung am Busen der Natur, Erfolgserlebnisse sonder Zahl, herrliche Früchte und allerhand Lehrreiches über die Kreisläufe des Lebens.
Sehr interessant ist etwa dieser Kreislauf: In einer Gärtnerei sprießen Pflänzchen aus der Erde. Sie kaufen sie, setzen sie in Ihren Garten – und dort zieht sie ein unterirdisches Mistvieh wieder in die Erde hinein.
Üben Sie sich in Demut vor der Natur. Spielen Sie nicht mit dem Gedanken, daß Sie immer Sieger bleiben müßten, weil’s Ihr Garten ist. Sie laufen sonst Gefahr, sich mit einer Gartenbesitzer-Krankheit anzustecken, zum Beispiel:
Der englische Rasenwahn. Er wird von Katalogbildern übertragen, auf denen Wiesen ausschauen wie Teppichböden. Hat zur Folge, daß Sie jedes Jahr mit dem Rasenmäher die Distanz einer Erdumrundung zurücklegen. Bis Sie angesichts eines zähen Breitwegerichs schluchzend zusammenbrechen.
Der grüne Rambo-Bazillus. Äußert sich in der kostspieligen Aufrüstung mit Geräten und chemischen Waffen. Kann dazu führen, daß Ihr Geräteschuppen das Ausmaß eines Flugzeughangars annimmt und Ihr Garten als Modell „Verbrannte Erde“ in einer Fachzeitschrift erwähnt wird. Legen Sie zur Heilung ein Ohr auf den Boden: Wenn die Engerlinge lachen, werden Sie erkennen, daß alles umsonst war.
Verfallen Sie nicht ins andere Extrem. Wenn man Ihnen den naturnahen Satz „Es gibt kein Unkraut“ einflüstern will, bedenken Sie: Wenn die letzte Karotte verkümmert, die letzte Erbse überwuchert ist, werdet ihr erkennen, daß man Unkraut nur selten essen kann.
Und jetzt hinaus und froh gepflanzt! Die Eismänner möchten auch nicht das Gefühl haben, daß sie es für nichts und wieder nichts frieren lassen.

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