Bekleidungsindustrie

Blut, Schweiß und Tränen

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Konsument 3/2001 veröffentlicht: 01.03.2001

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Ein Großteil unserer Bekleidung wird unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt. Die Clean Clothes Kampagne kämpft gegen diese moderne Sklaverei an.

Auf der Suche nach Flexibilität und Kostengünstigkeit hat die Bekleidungsindustrie die Dritte Welt entdeckt: Betrug der Anteil der Entwicklungsländer an der Weltausfuhr im Bereich Bekleidung 1955 lediglich zehn Prozent, waren es 1995 bereits rund 70 Prozent. Billig für den Weltmarkt produziert wird in so genannten Freien Produktionszonen (auch als Freihandelszonen, Freie Wirtschaftszonen oder ähnlich bezeichnet). Das sind Wirtschaftsenklaven innerhalb eines Landes, in denen Regierungen durch Investitionsanreize (Zoll- und Steuerfreiheit, kostenlose Infrastruktur, aber auch Vernachlässigung von Arbeitnehmerrechten und Umweltschutzvorschriften) sowie durch billige Arbeitskräfte ein für ausländische Investoren besonders günstiges Klima schaffen.

Gefängnisähnliche Produktionsstätten

Die Freien Produktionszonen in Asien, Lateinamerika und Afrika gleichen häufig Gefängnissen: Sie sind umgeben von hohen, mit Stacheldraht bewehrten Mauern und Wachtürmen. An den Eingängen stehen bewaffnete Wächter. Doch auch so genannte Hinterhof- und Garagenfabriken (in den USA „Sweatshops“ genannt) sind mitunter wie Gefängnisse bewacht. Und diese gibt es in Europa ebenso wie in den USA. In Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Holland und Spanien arbeiten über 150.000 Menschen in solchen nicht registrierten Hinterhoffirmen. In Belgien beträgt dieses Segment des Arbeitsmarktes geschätzte 15 Prozent des gesamten Bekleidungssektors.

Leid und Erpressung

Noch schlimmer ist es nur in den Entwicklungsländern: Auf den Philippinen etwa nähen schätzungsweise 700.000 Arbeitskräfte in Hinterhofunternehmen. Dazu kommt noch ein Heer von Heimarbeiterinnen in den Entwicklungs-, aber auch in den Industrieländern. Sie gelten als besonders „flexibel“: Bei Auftragseinbrüchen kann man sich ihrer sofort entledigen. Das Leid der Arbeiterinnen ist für uns kaum vorstellbar: Wochenarbeitszeiten von bis zu 75 Stunden sind ebenso üblich wie die Erzwingung von Überstunden. Schwangere Frauen werden einfach entlassen oder vor die Alternative Abtreibung gestellt. Freie Meinungsäußerung wird brutal unterdrückt. Selbst sexuelle Erpressung, Vergewaltigung bis hin zum Mord ist keine Seltenheit.

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