Christkind 2.0

Zeige mir, was du kaufst!

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KONSUMENT 1/2015 veröffentlicht: 23.12.2014

Inhalt

Wie sich die Zeit verändert und das Christkind 2.0 Weihnachten 2014 unterwegs war. - "Kunde König“, ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck
Alois Grasböck

Für das Christkind gilt die Vermutung, dass es von den Wünschen der Beschenkten auf traditionelle Weise erfährt. Die Jüngeren schreiben ihm Briefe, die Älteren deuten gelegentlich im Gespräch an, was sie gern unter dem Christbaum finden würden.

Zeig' mir, was du kaufst, und ich sag' dir, wer du bist!

Theoretisch wäre es dem Christkind allerdings möglich, die Datenbanken anzuzapfen und die Menschen quasi bis auf die Knochen zu durchleuchten. Manche glauben vielleicht noch, sie könnten im Internet anonym bleiben. Lächerlich! Genauso gut könnten sie ihre geheimen Sehnsüchte am Straßenrand plakatieren. Und es ist ja nicht nur das Internet, das verräterisch werden kann, es gibt auch andere Quellen. Unter anderem haben viele ein Dutzend Vorteils- oder Kundenkarten, dank derer die Datenbanken genau wissen, wofür die Leute ihr Geld ausgeben. Zeige mir, was du kaufst, und ich sage dir, wer du bist!

Sensible Daten für das "Christkind"

Ebenfalls theoretisch wäre es möglich, dass das Christkind auf gewisse Informationen keinen Zugriff hat. In der Praxis hört man jedoch immer wieder, dass sogar sensible Daten gestohlen werden.

Personenprofil übers Web leicht zu erstellen

Nehmen wir an, das Christkind versucht herauszufinden, was es dem Herrn X. bringen könnte. Der gute Mann gibt sich gern als lockerer Erfolgstyp, doch die Durchleuchtung entlarvt ihn als Angeber. Tatsächlich verdient er 1.200 Euro, sitzt halbe Nächte am Computer, besucht vorwiegend schmuddelige Seiten und hat vor zwei Jahren eine aufblasbare Frau bestellt. Aus seinem E-Mail-Verkehr lässt sich schließen, dass er wahrscheinlich keine engeren Freunde hat, und wenn ihn jemand anruft, ist es meistens seine Mutter. Das Christkind in seiner Güte stellt ihn natürlich nicht bloß, sondern lässt ihm einen Gutschein für eine Partnervermittlung zukommen.

Schutz der Privatsphäre? - Schwierig

Leider ist nicht auszuschließen, dass sogar der Computer des Christkinds angezapft wird, weil jemand scharf auf die Geschenk-Trends ist. Wie könnte man also seine Privatsphäre schützen? Am besten möglichst oft den Satz „Ich hab‘ ja nichts zu verbergen“ aussprechen. Und dabei hoffen, dass sich die Schnüffler totlachen.

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Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo