Ethiktest: Spielzeug

Getrübte Freude

Seite 1 von 8

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 12/2003 veröffentlicht: 13.11.2003

Inhalt

Es gibt Kinder, die an Spielwaren ganz und gar keine Freude finden – jene, die diese Spielwaren unter unvorstellbaren Bedingungen in den chinesischen Sonderwirtschaftszonen produzieren.

Lesen Sie auch unseren Ethiktest: Spielzeughersteller 12/2012

Unter dem Christbaum die herrlichsten Spielsachen, in den vor Freude weit geöffneten Kinderaugen spiegeln sich die Kerzenlichter wider – ein bewegender Moment, an den wir uns immer wieder gerne erinnern. Doch nicht alle können sich über Spielzeug derart freuen.

Überstunden für Kinder

Als der 12-jährige Xiao Fung von seinen verzweifelten Eltern zum Geldverdienen in eine Spielzeugfabrik in Shenzhen/China gebracht wird, schreit er wie am Spieß; er ist kaum zu beruhigen. Allein – es nützt ihm nichts: Bereits am ersten Tag sind Überstunden angesagt, bis 9 Uhr abends steht er in der Halle und zieht den Plastikfiguren namens Aladin bunte Kleider an.

Auftraggeber McDonalds

McDonald’s, der Auftraggeber dieser Fabrik, hat sich zur Einhaltung eines Verhaltenskodex (Code of Conduct) verpflichtet, der Kinderarbeit verbietet und Überstunden beschränkt. Die Einhaltung dieser Bestimmungen lässt der Konzern von einer unabhängigen Agentur überprüfen. Diese hat allerdings nie Kinderarbeit oder andere Regelverletzungen festgestellt. Wie passt das zusammen?

Unfair: trotz Kontrollen

Das Hong Kong Christian Industrial Committee (HKCIC), eine Organisation, die die Lebenssituation von Arbeitern in chinesischen Fabriken verbessern will, weiß die Antwort: Sie hat im August 2000 fünf Fabriken unter die Lupe genommen und dort Beschäftigte interviewt. Deren Angaben zufolge werden Kinderarbeiter am Tag einer Inspektion weggesperrt. Die Arbeiter sind angehalten, im Falle von Überstunden sowie an Samstagen und Sonntagen die Stechuhr nicht zu betätigen. So kommt es, dass trotz der Erfüllung wichtiger Voraussetzungen für faire Arbeitsbedingungen (unabhängige Kontrolle) vieles geblieben ist, wie es war.

Von Nürnberg bis zum Pearl-Delta

Für Jahrhunderte war Nürnberg das Zentrum der Spielzeugherstellung. Doch das ist längst Geschichte. Heute werden 70 Prozent aller Spielwaren weltweit in China hergestellt. Der Großteil der Unternehmen befindet  sich im Pearl-River-Delta in der Provinz Guangdong, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hongkong, in denen die meisten Firmen ihren Verwaltungssitz haben.

Bewertung

Wertung: 5 von 5 Sternen
2 Stimmen
Weiterlesen
KONSUMENT-Probe-Abo