Fielmann: Nulltarifversicherung

Gut fürs Marketing

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veröffentlicht: 22.06.2011

Inhalt

Die Optik-Kette Fielmann bietet eine neue Art von Brillenversicherung an. Aber: Versicherung würden wir dieses Produkt nicht nennen.

„Sofort eine Brille zum Nulltarif – und alle zwei Jahre eine neue“ – so bewirbt die Optik-Kette Fielmann ihre neue Nulltarif-Versicherung, die seit Jahresanfang angeboten wird (zuvor war eine Versicherung im Brillenpreis inkludiert). Jetzt kann die Versicherung gleich beim Bestellen der Brille abgeschlossen werden, denn „sofort nach Abschluss der Versicherung haben Sie Anspruch auf eine neue, topmodische Brille aus der Nulltarif-Collection in Metall oder Kunststoff mit drei Jahren Garantie“ (Fielmann-Werbeaussage).

Prämie nicht zum Nulltarif

Der Begriff „Nulltarifversicherung“ gibt insofern zu Missverständnissen Anlass, als die Prämie nicht gratis ist, sondern entweder 10 Euro (für Einstärkengläser) oder 50 Euro (für Mehrstärkengläser oder Gleitsichtbrillen) pro Jahr beträgt. Die Versicherung wird für 12 Monate abgeschlossen und verlängert sich um weitere 12 Monate, wenn sie nicht spätestens einen Monat vor dem Ablauftermin gekündigt wird. Die Prämie wird automatisch vom Konto abgebucht. Bei Fielmann betont man, dass man die erste Leistung aus der Versicherung – nämlich die Brille –  bereits bei Vertragsabschluss erhält. Damit habe man den Prämieneinsatz des ersten Jahres schon wieder herinnen. 

Bruch, Beschädigung und Sehstärkenveränderung

Außerdem zahlt die Versicherung bei Bruch oder Beschädigung einen neuen Sehbehelf, ebenso dann, wenn sich die Sehstärke ändert und man deshalb neue Gläser benötigt. Zwei Jahre nach Abschluss der Versicherung hat man dann wieder Anspruch auf eine neue Brille. Nicht versichert sind allerdings Verlust oder Diebstahl. Zerstreute, die ihre Brillen öfter verlegen, haben also Pech.

Für Sparefrohs

Bei den Nulltarif-Gläsern, die Fielmann im Zusammenhang mit der Versicherung offeriert,  handelt es sich um farblose mineralische Gläser, also um die sogenannte Basisversorgung. Kein kratzfester Kunststoff, keine Entspiegelung oder andere Extras, die Brillenträgern das Leben erleichtern. Solche „Gläser“ im wahrsten Sinn des Wortes lasten mitunter schwer auf dem Nasenrücken. Fielmann räumt denn auch ein, dass es sich bei diesem Angebot um eine Weiterentwicklung der altbekannten Krankenkassenbrille handelt.

Eher Marketing-Aktion als Versicherung

Unser Fazit: Es ist zwar erfreulich, dass Fielmann nicht mehr mit jeder Brille eine Versicherung automatisch mitverkauft. Bisher war die Fielmann-Brillenversicherung (Prämie von 2,50 Euro) im Brillenpreis inkludiert. Dieses Angebot richtet sich wohl hauptsächlich an Menschen, die für ihre Brille möglichst wenig Geld ausgeben wollen oder können. Die Leistung aus der Versicherung im Zwei-Jahres-Rhythmus soll dann wohl sicherstellen, dass der Kunde auch seine nächste Brille wieder bei Fielmann bestellt.

Somit handelt es  sich um eine Marketingaktion zur Kundenbindung. Das ist beileibe nichts Ehrenrühriges. Versicherung würden wir das aber nicht nennen.

Schreiben Sie uns!

Die Nulltarif-Versicherung von Fielmann können wir nur aufgrund der Unterlagen beurteilen. Praktische Erfahrungen haben wir noch keine damit. Daher sind wir sehr an Ihren persönlichen Erlebnissen mit der neuen Brillenversicherung von Fielmann interessiert. Sollten Sie also bei Fielmann schon eine Polizze abgeschlossen und eine Leistung erhalten haben, schicken Sie Ihren Bericht bitte an: leserbriefe@konsument.at

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