Frustikus: neuer Preis

Schlechtes Design, miese Funktion

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veröffentlicht: 22.11.2010

Inhalt

Schlechtes Design, schlechte Funktion: Es gibt einen neuen Online-Watschenmann für entnervte Konsumenten, erreichbar unter www.frustikus.at.

Wer sich über ein besonders dummes Produkt, eine lausige Dienstleistung, eine unsinnige Einrichtung oder eine grindige Website ärgert, der ist eingeladen, diese für den Frustikus-Award zu nominieren:

www.frustikus.at

Pünktlich zum Faschingsbeginn am 11.11.2010 wurde der Frustikus 2010 in den Bereichen

  • Geräte
  • Kundenservice
  • Software
  • Websites

vergeben. Was die nominierte Prominenz aber offensichtlich gar nicht lustig fand, denn keiner der Preisverdächtigen riskierte einen "Seitenblick“ ins "Theater im Werkraum" im 16. Wiener Gemeindebezirk, wo die Preisverleihung stattfand – oder doch im Rahmen einer Performance hätte stattfinden sollen, hätt’ sich nur einer zu kommen getraut.

HP: Solution Center

Der Drucker- und Scanner-Hersteller HP beispielsweise, der seine Software zwar "HP Solution Center“ nennt, in Wahrheit für so manchen Anwender aber offenbar eher ein sprudelnder Quell von Problemen ganz ohne Lösung  ist:  Systemabstürze bei der Arbeit mit den geräteseitigen Voreinstellungen, bange Minuten des Wartens, wenn eine Seite ohne deren Hilfe gescannt werden soll. Das führte schon einmal zu einer eingelesenen Fläche im erstaunlichen Format von 0 mal 0 Zentimetern. Mit Unterstützung der automatischen Vorlagenerkennung für die Scan-relevanten Bereiche schließlich wurde aus einer A4-Vorlage ein Fleckerlteppich von unzusammenhängenden Teilstücken. Puzzle einmal anders herum! Somit war der Frustikus für HP in der Kategorie "Software“ wohl verdient.

ÖBB: Online-Ticket-Verkauf

Neidlos musste die achtköpfige Jury auch die Leistungen der ÖBB beim Online-Ticket-Verkauf und somit im Bereich "Websites“ anerkennen: Eine Sitestruktur, für die alleine man eigentlich schon einen Fahrplan zur Orientierung benötigt, viele Fensterlein, die aufgehen und sich übereinander legen, Ellen-lange Zahleneingabe bei Verwendung von Business- und VorteilsCard, Bezahlmöglichkeiten, die sich unterscheiden, je nachdem unter welchem Menüpunkt man seine Reise ins Ungewisse der ÖBB-Site angetreten hat. Kein Kundenkonto zur bequemen Abwicklung häufig benötigter Fahrtstrecken und Reisen. Da schrillen die Alarmglocken des Frustikus, dass man sie bis zur nächsten Ampel hört.

Kästen für Signal- und Ampelsteuerung

Bei dieser Ampel findet man mit etwas Glück den Sieger in der Kategorie "Geräte“: Die Signal- und Ampelsteuerungs-Kästen, die in vielfältigem Design und häufig unklarer Funktion dort angebracht werden, wo sich halt noch ein freies Platzerl an einem Masten in Nähe des Zebrastreifens findet.  Manche bitten per Aufschrift darum, ja nicht berührt zu werden. Wozu hängen Sie dann da? Andere laden zu gegenteiligem Tun ein.

Bei manchen ist nicht klar, wo überhaupt gedrückt werden sollte, bei manchen tut sich danach etwas – akustisches Signal das an das Klopfen eines Spechts erinnert. Bei anderen wiederum erfährt man nie, was man denn jetzt ausgelöst hat – oder halt nicht.

Leider hilft es nicht, die Kästen einfach zu ignorieren, wie die Situation beispielsweise am Schwarzenbergplatz im Zentrum Wiens zeigt:  Dort haben abwechselnd die Fahrzeuge aus der Gußhausstraße und aus der Prinz-Eugen-Straße ihre Grünphase. Fußgänger aber, die in Richtung Hochstrahlbrunnen streben, werden an der Ampeln Wurzeln schlagen: Denn selbst, wenn der Autoverkehr in diese Richtung grün hat, bleibt die Ampel für Fußgänger rot – sofern sie nicht das Knopferl am Kasterl gedrückt haben … Frust in Reinkultur!

Digital Right Management (DRM)

Den sah die Jury in der Abteilung "Kundenservice“ übrigens durch das "Digital Right Management“ (DRM) verwirklicht. Darunter versteht man (oder oft auch nicht) die Summe der technischen Strategien, die den Diebstahl geistiges Eigentums verhindern sollen – vom eBook bis zur DVD. Auf dem Weg zu diesem Ziel engt das DRM aber häufig die Nutzungsrechte der „braven“ Konsumenten durch allerlei Barrieren ein oder macht es unmöglich das Produkt zu nutzen. Auch dafür gab es einen Frustikus.

Von Usability-Profis ins Leben gerufen

Die lobenswerte Frustikus-Initiative geht auf eine Initiative der "Regionalgruppe Wien des Berufsverbands der deutschsprachigen Usability und User Experience Professionals" zurück. Unter Usability versteht man die gute Nutzbarkeit von Geräten, Dienstleistungen oder Websites. Die Bezeichnung des Verbandes scheint aber auch nicht ganz davor gefeit, sich einmal selbst einen Frustikus verleihen zu dürfen. Der wird dann aber bestimmt auch abgeholt …

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Bild: VKI