Gütesiegel im Supermarkt

Problem Glaubwürdigkeit

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KONSUMENT 12/2013 veröffentlicht: 21.11.2013

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Für jedes Produkt ein eigenes Siegel? Entsprechend einfach zu erfüllen bzw. vage sind die Kriterien für solche "Güte"-Siegel. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteur Peter Blazek.

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Redakteur
Peter Blazek
pblazek@konsument.at

Premium-Marken sind strenger

Die Eigenmarken der großen Handelsketten punkto Nachhaltigkeit haben ihre Berechtigung – zumindest gilt dies für die bekannten Premium-Marken. Sie sind strenger bzw. umfassender als unabhängige oder staatliche Prüfsiegel. Das ist eine erfreuliche Nachricht. Dennoch: Das Problem, dass der Konsument im Gütesiegel-Dschungel die Orientierung – und letztlich das Interesse an nachhaltigen Produkten – verliert, ist damit nicht gelöst.

Handelskonzerne schaffen Nebenmarken

Die Handelskonzerne geben sich nicht mit einer Premium-Marke zufrieden sondern schaffen für jeden Bereich zwei oder mehr Nebenmarken, um möglichst viele Produkte abdecken zu können. Es scheint die Devise vorzuherrschen, jedes Produkt müsse mindestens ein Siegel tragen. Entsprechend einfach zu erfüllen bzw. vage sind daher die Kriterien für solche Siegel.

Herkunftsbezeichnung: Rotweiß-roter Wimpel ist nicht genug

Besonders deutlich wird dies bei den Herkunftsauszeichnungen, in vielen Fällen bleiben sie hinter dem AMA-Gütesiegel für Produkte österreichischer Herkunft zurück. Ein rotweiß-roter Wimpel ist nicht genug. Nachhaltigkeit bedeutet vor allem Vorrang für kleinräumige Strukturen und möglichst kurze Transportwege. Da ist die Konzentration auf "Made in Austria“ zuweilen kontraproduktiv. Wenn das Vorarlberger Handelshaus Sutterlüty seine Produkte aus der Bodenseeregion bezieht, ist das entschieden nachhaltiger, als sich Lieferanten etwa aus dem Marchfeld zu suchen.

Anbieter nachhaltiger Produkte brauchen mehr Glaubwürdigkeit

Angesichts der immer stärker werdenden Kritik an der Bio-Industrie müssten sich die Anbieter nachhaltiger Produkte vor allem um mehr Glaubwürdigkeit bemühen. Dem steht aber offenbar die Logik der Marketing-Strategen entgegen. Was sollen Menschen, die verantwortungsbewusst leben wollen, beispielsweise von einem sprechenden Schweinderl halten, das vor allem darum bemüht scheint, den Bauern zu verkuppeln; oder von einem ewig lächelnden TV-Model, von dem man in einer Werbebotschaft gerade einmal erfährt, dass es seine blonden Haare früher länger getragen hat?


Hier finden Sie den Test: Gütesiegel im Supermarkt 12/2013. Besonders lesenswert ist unser EXTRA Gütezeichen 8/2012

 

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