Kinder sind unsere Zukunft

Auf gutem Weg

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KONSUMENT 8/2011 veröffentlicht: 25.07.2011

Inhalt

Unternehmen haben die Kinder im Auge, als Kunden und Entscheider versteht sich. - "Kunde König“, ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasbock (Bild: VKI)

Alois Grasböck

 „Kinder sind meine Zukunft“, sagte der Zucker und ließ sich verschwenderisch zwischen Fett und Aromastoffe fallen. Nichts lag ihm ferner als ein schlechtes Gewissen, denn dazu war er zu zerstreut. Außerdem weiß jeder, der auch nur die leiseste Ahnung vom Geschäft hat, dass man sich um ein gutes Gewissen nichts kaufen kann.

Erwachsene sind Spielverderber

„Kinder sind unsere Zukunft“, sagte der Vorstand, „aber wir müssen damit rechnen, dass uns hysterische Eltern den Erfolg nicht gönnen. Ich höre immer wieder von Erwachsenen, die ihren Kindern die Segnungen des Konsums verweigern wollen. Unerfreulich sind auch subversive Elemente, die unserem Marketing Halbwahrheiten oder gar Lügen unterstellen. Aber insgesamt sind wir mit dem Projekt "Fertigfraß, Limonade und Plastikmüll zum Spielen’ auf einem guten Weg.“

„Süßes für unsere süßen Lieblinge“

„Kinder sind unsere Zukunft“, sagte der Werbechef und blickte wohlwollend auf die Vorschläge seiner Kreativen. „Süßes für unsere süßen Lieblinge“ war schon sehr gut, wenngleich ihm „Des Naschens tiefer Sinn“ bedeutsamer erschien. Und ein Problem war geradezu brillant gelöst: „Gesunder Genuss aus wertvollen Pflanzen“, womit natürlich die Zuckerrüben und das Zuckerrohr gemeint waren. Natur pur quasi, damit konnte man sogar die eine oder andere Bio-Mutti herumkriegen.

"Niemand wird zum Kauf gezwungen"

„Kinder sind unsere Zukunft“, sagten alle miteinander im Chor und einigten sich auf eine Strategie, falls es wieder Kritik von Miesmachern geben sollte: Niemand wird zum Kauf gezwungen, und wenn die Eltern ihre Verantwortung vernachlässigen, kann man nicht uns die Schuld geben!

Trainer im Dicke-Kinder-Camp

"Kinder sind unsere Zukunft“, sagte der Trainer im Dicke-Kinder-Camp angesichts der Zuwachsraten. Okay, mit Nachhilfe hätte er vielleicht noch mehr verdienen können, weil dieser Markt perfekt aufbereitet ist. Aber auch so sah er beim Rohstoff Kind noch viel Zukunft, etwa mit einer Computersucht-Therapie …

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