Kunde König: Fertigsalate

Da schauen die Küchenmesser dumm

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Konsument 8/2006 veröffentlicht: 14.07.2006

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Kunde König: Mundfertig geschnittene Fertigsalate sind trendy, haben´s aber nicht leicht. Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Da schauen die Küchenmesser dumm

Autos kriegt man noch im Ganzen, aber sonst schreitet die Teile-Wirtschaft munter voran. Das zum Beispiel gilt längst als normal: Man kauft einen Schrank und bekommt bei der Warenausgabe ein Bretter-Puzzle mit beigelegtem Schraubenschlüssel. Dieser Trend ist bei vielen Waren zu beobachten, doch nicht immer bedeutet das zusätzliche Arbeit.

Schrank als Puzzle

Kommen wir noch einmal zum Schrank-Puzzle: Wenn man es dank einiger Abschürfungen und mit tausend schwarzen Flüchen endlich zusammengesetzt hat, lockt der Lohn in Form einer Jause. Und da kann der gegenteilige Puzzle-Effekt eintreten.

Alles ist vorgeschnitten

Das Brot ist schon vorgeschnitten, der Käse auch und die Wurst sowieso. Denn man kann fast alles in Teilen kaufen. Das Kraut ist vorgehobelt, manche Supermärkte schälen einem sogar das Obst und schneiden es in mundgerechte Stücke.

Das spart sicher nicht Geld, aber Zeit, und Zeit gilt bekanntlich auch als Geld. Der Salat müsste sich rückständig vorkommen, würde er da nicht mitziehen.

Salate vom Acker, Salate mit Schnitt

So mancher Salat, der gerade dem Feld entronnen ist, macht ja einen ziemlich bodenständigen Eindruck. Ein bäuerlich-erdiger Typ mit einem guten Herz, aber halt doch recht einfach, um nicht zu sagen simpel. Wie trendy er doch wirkt, wenn er mit der Zeit geht! Er lässt sich einen scharfen Schnitt verpassen, tut sich mit anderen Sorten zu einer raffinierten Mischung zusammen und bekleidet sich mit einem gut gestylten Plastiksackerl. Dann wartet er, bis ihn wer aufreißt.

Messer werden überflüssig

Manchmal muss er ein wenig schwitzen, dann macht er an den Schnitträndern vorzeitig schlapp. Aber das nimmt er in Kauf, weil er weiß: Irgendwann landet er in einer Küche, und dann werden die vielen schönen Messer, die dort daheim sind, dumm schauen und sich überflüssig vorkommen!

"Konsument"-Kolumnist Alois Grasböck über Convenience-Produkte

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Bild: VKI