Kunde König: Supermarkt oder Greißler?

Wenn der Preis frech wird

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Konsument 8/2004 veröffentlicht: 28.07.2004

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Obst und Gemüse sind oft überteuert, wenn sie nicht in Plastik verpackt sind. - Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Eigenhändig Prüfen

Was den Supermarkt zum Greißlertod gemacht hat, war nicht nur das größere Angebot, sondern vor allem die Möglichkeit, die Ware vor dem Kauf eigenhändig zu prüfen. Da sucht man selbst die schönsten Früchte aus und weiß, was man hat. Das hat ja jeder schon erlebt: Ein Standl mit Erdbeeren, vorn liegt ein Berg von Prachtstücken, aber dahinter springen die matschigen auf die Schaufel …

Angegatschte Tomaten frisch verpackt   

Die freie Auswahl wollen sie uns zunehmend wieder abgewöhnen, die Supermärkte. Oder zumindest ein Teil von ihnen. Ein Kilo Tomaten? Bitte sehr, fertig verpackt in der Plastikbox. Schauen gut aus, aber daheim stellt man fest, dass sie sich schlaff anfühlen und muffig im Geschmack sind. Ein paar Tomaten sind aufgesprungen, das hat man durchs Plastik übersehen. Wahrscheinlich hat es sie aus Langeweile zerrissen, weil sie schon ewig herumliegen.

Aber bitte sehr, kein Problem, ruft der Supermarkt, Sie müssen kein Gebinde nehmen, wir haben auch Früchte zur freien Auswahl!

Teure Preise als Abschreckung

Ja, das stimmt. Aber der Preis ist ungleich höher. Manchmal hat man fast das Gefühl, der hohe Preis flüstere einem zu: „Lass dich ruhig von mir abschrecken, dazu bin ich ja da. Du sollst dich daran gewöhnen, immer mehr abgepacktes Obst zu nehmen. Schau, die Waagen sind teuer und brauchen viel Platz, die Aussucherei verursacht Staus in der Obstabteilung – also nimm brav dein Obst im Kilobecher und geh!“

Wenn man als Kunde König bleiben will, empfiehlt es sich, barsch zu antworten: „Sei nicht so aufgeblasen, du größenwahnsinniger Preis! Im Kilobecher sind unten immer Pfirsiche, die wie Zuckerrüben ohne Zucker schmecken! Ein freches Wort noch, und ich werde zum verschärften Preisvergleicher und wechsle das Geschäft...“

Ihr Alois Grasböck

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