Kunde König: Winterreifen sind ungerecht

Über Zweifler und Kritiker

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Konsument 10/2005 veröffentlicht: 19.09.2005, aktualisiert: 22.09.2005

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Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Winterreifen sind ungerecht

Winterreifen sind ungerecht, weil sie ausgerechnet von denen bezahlt werden müssen, die es sich nicht leisten können, den Winter auf Mallorca zu verbringen. Deshalb dürfen sich die Winterreifen nicht wundern, wenn sie bei manchen ziemlich unbeliebt sind.

Der gewöhnliche Winterreifen-Zweifler stellt sich erst einmal die Grundsatzfrage, ob denn überhaupt ein richtiger Winter zu erwarten sei. Oft kommt er zu einem Nein, und wenn zu Weihnachten immer noch die Gänseblümchen blühen, freut er sich, weil er wieder einmal recht gehabt hat. Wenn dann im Jänner das Schneechaos ausbricht, weiß er, dass sich Winterreifen nicht mehr auszahlen, schließlich steht der Frühling vor der Tür.

Winterreifen sind für Weicheier

Der harte Winterreifen-Verächter hat ein anderes Motiv. Ihm geht es um herb-männliche Gelassenheit. Deshalb hält er jeden, der wegen ein paar Minusgraden sofort zum Reifendienst eilt und um einen Termin winselt, für ein Weichei.

Beide Gruppen erleben mehr oder weniger froh die Spannung, die Sommerreifen auf glattem Grund erzeugen können. Zum Beispiel eine eisige Steigung. Der Wagen schwänzelt schon, aber der Lenker – auffi muaß i! – beherrscht die Hohe Schule des Nicht-Steckenbleibens. Er behandelt sein Gaspedal wie ein rohes Ei und dreht das Lenkrad mit einer Zartheit, die ihresgleichen sucht.

Die kleinen (Miß-)Erfolge

Auf den letzten kritischen Metern unterstützt er seinen Wagen mittels ruckartiger Bewegungen mit dem Oberkörper, und schließlich hat er es geschafft. Schweißgebadet, aber glücklich. Das macht ihm so schnell keiner nach! Auf dem Rückweg, bergab, hat er dann 300 Meter Bremsweg. Leider steht 20 Meter vor ihm ein Hindernis. Wenn er sehr viel Glück hat, ist der Schaden so klein, dass er ihn mit dem ersparten Winterreifen-Geld zahlen kann.

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