Kundenkarten: Comfort Card, Billa-Vorteilsclub

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Konsument 4/1999 veröffentlicht: 01.04.1999

Inhalt

Kundenkarte 1: Comfort Card

Ratenkauf mit hohen Zinsen

 

Eine neue Kundenkarte mit Kreditfunktion bietet die Comfort Card Services GesmbH an. Man kann damit bei bestimmten Händlern Waren auf Kredit kaufen. Der maximale Einkaufsrahmen beträgt 50.000 Schilling. Die Rückzahlung erfolgt in individuell festlegbaren Monatsraten. Die Sache hat allerdings mehrere Haken: Comfort Card (eine Tochter der britischen National Westminster Bank) verfügt nur über wenige Vertragshändler, die bekanntesten sind Inku und Birg-Computer. Mit einer Karte, beispielsweise von Inku, kann man nur dort bargeldlos einkaufen. Es ist daher auch irreführend, wenn die Comfort Card als Kreditkarte beworben wird. Es handelt sich eher um eine Kundenkarte, wie sie von zahlreichen Handelsketten angeboten wird. Das Spezielle daran, die Kreditfunktion, ist alles andere als günstig. 1,22 Prozent werden pro Monat verrechnet, das entspricht einem Jahreszinssatz (inklusive aller Kosten) von 15,66 Prozent. Das ist teurer als eine Kontoüberziehung – dafür wurden im Herbst 1998 im Schnitt 11,35 Prozent verlangt. Privatkredite gibt es derzeit schon unter 8 Prozent Effektivzinssatz. Kredit per Kundenkarte ist also eine besonders teure Form eines Ratengeschäftes. Für den Händler ist die Comfort Card attraktiv, weil er keine Kosten zu tragen hat – ganz im Gegensatz zu Kreditkarten, wo ihm ein Disagio abgezogen wird. Warum aber sollte ein Kunde so ein Angebot annehmen? Der Verdacht liegt nahe, daß auf einkommensschwache Konsumenten gezielt wird, die von ihrer Bank keinen Überziehungsrahmen mehr eingeräumt bekommen. Dazu paßt, daß die Bonitätsprüfung recht locker gehandhabt wird. Der beste Weg in die Schuldenfalle.

 

Kundenkarte 2: Billa-Vorteilsclub

Karger Lohn für Punktesammler

 

Ein anderes Ziel verfolgen jene Kundenkarten, die häufig als „Vorteilskarte“ oder „Club-Card“ bezeichnet werden. Handelsketten wollen damit Stammkunden an sich binden, indem sie Bonuspunkte oder Rabatte auf getätigte Käufe gewähren. Prominentestes Beispiel unter dem überhandnehmenden Angebot: Der „Billa-Vorteilsclub“. Für diesen Club gibt’s keine eigene Karte, nein, „Ihre Euroscheck- oder Bankomatkarte ist Ihre Vorteilskarte“. Das Punktesammeln geht auf diese Art ganz einfach: Die Punkte werden beim Bezahlen auf dem Computerchip der Karte gespeichert, der aktuelle Punktestand wird auf der Rechnung ausgedruckt. Damit erhält der Handel über die Kundenkarte Einblick in das Einkaufsverhalten seines Kunden und kann ihn so mit gezielteren Werbemethoden umgarnen. Warum wohl möchte Billa im Anmeldeformular wissen, wieviele Kinder im Haushalt leben und wie alt diese sind? Aber auch wem das Eindringen in die Privat- sphäre nichts ausmacht, sollte sich genau ansehen, worin die Vorteile der Club-Mitgliedschaft eigentlich bestehen. So schenkt der Billa-Vorteilsclub seinen neuen Mitgliedern ein Gutscheinheft im Wert von 5000 Schilling. Die wird aber kaum jemand zur Gänze in Anspruch nehmen können, die Einzelgutscheine haben einen Wert von meist 100 bis 500 Schilling, die man nur erhält, wenn man beispielsweise eine Versicherung abschließt oder einen „Traumurlaub“ beim hauseigenen Reisebüro bucht. Auch für eifrige Punktesammler gibt es nichts Bares, sondern einen Preisnachlaß für eine eng begrenzte Auswahl von eher einfachen Produkten. So bekommt man mit 40 Bonuspunkten einen Toaster um „nur 399 Schilling“. Vergleichbare Toaster sind im Elektrohandel ebenso günstig zu haben, ohne daß man erst Bonuspunkte sammeln müßte. Ein weiterer Nachteil: Einen Punkt gibt es pro 100 Schilling Einkaufsbetrag. Bei einem Rechnungsbetrag von 197,90 Schilling gehen also fast 100 Schilling für die Bonusberechnung verloren. Da heißt es also fleißig kaufen, um auf 40 Punkte zu kommen. Noch dazu, wo der Toaster nur für begrenzte Zeit erhältlich ist.

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