Lederschuhhersteller

Blut ist im Schuh

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KONSUMENT 4/2012 veröffentlicht: 27.03.2012, aktualisiert: 26.04.2012

Inhalt

Schuhe aus Leder: Sklavenähnliche Arbeits­beziehungen in Brasilien, grausame Misshandlung von Rindern in Indien – wer ein Paar Lederschuhe kauft, das zeigt unser Test der Unternehmens-Ethik, muss damit rechnen, dass sie unter skandalösen Bedingungen produziert wurden.

Bild: danwatch.dk
"Ihr habt den Gewinn,
wir sind die Verlierer"

1.500 Real könne er in zwei Wochen als Forstarbeiter verdienen – ein verlockendes Angebot für Daniel Moraes Fereira, 27, in einem Land, in dem man normalerweise die Hälfte in einem Monat verdient. Als er nach einigen Wochen Schwerarbeit unter menschen­unwürdigen Bedingungen keinen Lohn erhalten hatte, sprach er den Gato (die Katze) – so werden die Farm-Aufseher in Brasilien genannt – darauf an. Dieser packte ihn da­raufhin und fesselte ihn an einen Baum.

Test zeigt: Schläge und Nahrungsentzug

Vom frühen Morgen bis abends wurde er immer wieder getreten und geschlagen, er bekam weder zu essen noch zu trinken ... Als einige Tage später die weißen Autos der Aufsichtsbehörde auftauchten, wurde den Arbeitern aufgetragen, im Wald zu verschwinden. Dies nutzten Daniel und einige seiner Leidgenossen zur Flucht. Das wenige, was sie hatten, mussten sie zurücklassen.

Aus den ärmsten Gegenden rekrutiert ...

Im brasilianischen Amazonasgebiet wird die Abholzung des Regenwaldes am inten­sivsten betrieben. Alle 28 Sekunden geht ein Hektar Wald verloren, zu 80 Prozent sind die Viehzüchter dafür verantwortlich, die immer neues Grasland für ihre Rinderherden benö­tigen. Jene, die diese schwere Arbeit machen, sind Männer zwischen 18 und 40 Jahren, ­rekrutiert in den ärmsten Gegenden des ­Landes. Sie werden in den Dschungel transportiert, weit weg von jeder Zivilisation, ohne dass sie wissen, wo sie sind.

... und in die Schuldknechtschaft getrieben

 Bild: danwatch.dk 
Ein Ruhelager im Amazonasgebiet

Sie müssen in schmutzigen, kahlen Baracken schlafen oder gar ihr Schlaflager selbst zusammenbauen; zu essen gibt es, was sie im Wald erjagen können. Keine Kleidung, keine Ausrüstung, nichts wird ihnen zur Verfügung gestellt, sie müssen alles beim Gato zu überhöhten Preisen kaufen, was sie in die Schuldknechtschaft treibt: Die Schulden beim Gato übersteigen oft ihren Lohn.

In der Tabelle finden Sie:

Marke, Type, Produkte, Dienstleistungen
Timberland, Ecco, Clarks, Kickers, Geox, Pikolinos, Vagabond, El Naturalista, Scholl, Gabor, Birkenstock, Bata, Tod´s, Camper, Hush Puppies, Mephisto

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37 Stimmen

Kommentare

  • Zum Thema Schächten
    von Morgenstern am 25.04.2012 um 17:08
    Ich war vor einiger Zeit mit einem Wanderschäfer unterwegs und habe dort das Schächten live erlebt. Es wurde dort nicht aus religiösen Motiven eingesetzt, sondern weil es die schmerzfreieste und sicherste Methode ist, um ein Tier zu schlachten. Die Schafe erleiden innerhalb von Sekunden einen Blutsturz, werden also ohnmächtig, da das Blut aus dem Hirn fließt. Natürlich gibt es auch unter den Schächtern "schwarze Schafe" und als Veganer verwende ich keinerlei Tierprodukte. Aber das Schächten an sich würde ich jederzeit dem Schlachten per Schlachtschußapparat vorziehen, denn dort werden sehr viele Tiere nicht sofort getötet und erleben Dinge wie das Aufhängen auf Haken inkl. dem Brechen der Knochen und Reißen der Sehnen unter dieser Last bei vollem Bewußtsein mit.
  • Schächten
    von sabsch70 am 09.04.2012 um 15:24
    Sehr geehrtes Team vom "Konsument". Gratulation zu obigem Artikel. Ein bißchen mehr Kritik hätte ich mir betreffend des Schächtens erwartet, d.h. "Moslems in Indien töten die Rinder", indem sie diese schächten, d.h. bei lebendigem Leib ausbluten lassen. Diese Schlachtpraxis gibt es auch bei uns (zur Produktion von "Halal"-Fleisch). Tierschutz hört bei mir bei - angeblich - religiösen Motiven nicht auf. Bitte mal um eine Untersuchung dieser Schlachtmethoden. Vielleicht gibt es irgendwann einmal sogar eine Kennzeichnung über besonders "schonende" Schlachtmethoden oder "garantiert nicht halal". Bei anderen Tieren (z.B. Thunfischen gibt es ja schon eine ähnliche Kennzeichnung [Delphin-schonender Fang]). Vielen Dank im Voraus für Ihr konsequentes Eintreten für den Tierschutz. Sabsi
  • Alternativen
    von MargotBelyus am 07.04.2012 um 15:48
    Schade, daß Sie - wie auch beim Kinderschuhetest - DIE österreichischen Schuhe Waldviertler nicht dabei hatten. Der Bericht ist gut, rüttelt auf, hinterläßt aber wiedermal zerknirschte Konsumenten mit wenig Möglichkeit zur Vermeidung.
  • danke, super test
    von powerplana am 03.04.2012 um 19:18
    bitte mehr infos wie diese, das finde ich interessanter als ob die digitalkamera xy sehr gut, gut oder durschnittlich ist
  • Wo sind die Waldviertler, Ganter, usw.
    von REDAKTION am 02.04.2012 um 17:46
    Die Untersuchung wurde im Rahmen einer Kooperation mehrerer europäischer Verbraucherorganisationen durchgeführt, nur große, international bekannte Marken wurden berücksichtigt. Leider können aus Kostengründen nicht alle, für den heimischen Markt interessanten Marken untersucht werden. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass kleinere Firmen, wie Waldviertler, im direkten Vergleich mit Konzernen unter ihrem Wert abschneiden würden, da sich kleinere Unternehmen in der Regel keine eigene CSR-Abteilung (zuständig für soziale Verantwortung in der Produktion und bei der Beschaffung von Vorprodukten) und eine ausführliche Information der Öffentlichkeit (auf der Homepage oder durch Nachhaltigkeitsreports) leisten könnten. Auch die Beantwortung des umfangreichen Fragebogens ist für kleinere Unternehmen sicher schwieriger zu bewerkstelligen als für einen Konzern. Ihr Konsument-Team
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