Melancholie im September

Schulbeginn, Wahlversprechen und Heizkosten

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Konsument 9/2008 veröffentlicht: 27.08.2008

Inhalt

Wie alles andere kündigt auch der Herbst sein Erscheinen früh an. Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Früher Herbst

Wie alles andere kündigt auch der Herbst sein Erscheinen früh an. Schon Ende Juli, wenn sich die Kinder gerade an die Ferien gewöhnt haben, dringen Postwürfe mit trotteligen Werbesprüchen wie „Alles Coole für die Schule!“ in die Haushalte ein und verbreiten eine Vorahnung der herben Duftnote, mit der sich der sogenannte Ernst des Lebens parfümiert.

Ist der September schließlich da, beginnt sich das eine oder andere Laub zu verfärben. Sollte die Verfärbung heuer ungewöhnlich stark ausfallen, wird man im Hinblick auf den Wahlkampf die Frage prüfen müssen: Kann es sein, dass sich sogar die Alleebäume für die Slogans schämen, die zwischen ihnen plakatiert sind? Fluchen die Buchen, weil sie vergeblich nach Wahrheit suchen? Verzweifeln die Platanen, weil sie Schlimmes ahnen?

Adventkalender im September

Und damit die Obstbäume mit ihren Sorgen nicht zu kurz kommen: In welchem sauren Apfel wird diesmal der Wurm drin sein? Genug damit, sehen wir lieber das Positive. Noch bevor uns der Herbst mit nassen Nebelfetzen zu den Heizkörpern jagt, erinnern uns im September die ersten Adventkalender zuverlässig daran, dass es nicht mehr weit bis zur stillsten Zeit ist. Hoffen wir, dass sich die Zuckerl hinter den 24 Türchen nach der Wahl nicht in etwas auflösen, das mit Schokolade nur die Farbe gemein hat!

September, Stau und Strand

Und was, werden jetzt manche fragen, ist mit der Melancholie im September? Da gibt es viele Möglichkeiten. Bittersüße Erinnerungen an den Urlaub zum Beispiel – einerseits der Stau, andererseits der überfüllte Strand, aber irgendwie war es doch schön.

Und wenn Sie keinen Urlaub hatten: Denken Sie einfach an die nächste Heizkostenrechnung.

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Bild: VKI