Musikberieselung

Mitten ins Ohr

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Konsument 12/2007 veröffentlicht: 19.11.2007

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In der angeblich stillsten Zeit des Jahres nerven die „Jingle Bells“-Endlosschleifen. Auch sonst werden wir Tag für Tag an den verschiedensten Orten mit Musik zwangsbeglückt.

An die Berieselung mit speziell designter Musik haben wir uns längst gewöhnt (lesen Sie auch unseren Kommentar [ Musikberieselung in "Kunde König" ] ]. Die dezent arrangierten Melodien sollen in der Zahnarztpraxis die Angst vor dem Bohrer nehmen, im Kaufhaus zum Verweilen und Kaufen anregen und in der Telefonwarteschleife die Anrufer davon ablenken, dass eigentlich niemand da ist, der abhebt und sich um sie kümmert. Es ist also Musik, die etwas bewirken soll und daher auch funktionelle Musik oder F-Musik (im Gegensatz zu E- und U-Musik) genannt wird.

Musik beeinflusst

Die Funktion dieser Musik kann von denen, die sie produzieren, genau auf die Wünsche des Auftraggebers, der wiederum seine Kunden damit beeinflussen will, abgestimmt werden. So soll Musik im Kaufhaus die Grundgeräusche (Rolltreppen, Klimaanlage, Stimmengewirr etc.) übertönen und eine angenehme Atmosphäre schaffen, wo eigentlich keine ist. Das Verbreiten von Wohlbefinden soll Nachdenken verhindern und die Kaufbereitschaft und damit den Umsatz erhöhen.

Aber auch eine gezielte Steuerung des Verhaltens der Kunden ist möglich. In einem Restaurant essen Gäste bei langsamer Musik langsamer und trinken mehr als bei schneller Musik. In einer Bar wiederum führt schnelle Musik zu rascherem Trinken. Und sogar der Weinhandel weiß: Bei klassischer Musik kaufen die Kunden zwar nicht mehr, aber teurere Weine.

„Psychoakustische Raumgestaltung“

„Psychoakustische Raumgestaltung“ nennt das Musikwissenschaftler Heiko Maus, der sein Wissen als Musikberater für die Wirtschaft einsetzt und damit auf seiner Homepage ( www.musikberater.com ) wirbt: „Ihre Kunden werden positiv gestimmt, verweilen länger bei Ihnen und sind empfänglicher für externe Beeinflussungen (etwa Verkaufsgespräche). Auf der anderen Seite könnten unliebsame Gäste vertrieben werden.“ Der Musikberater führt auch gleich das drastische Beispiel dafür an: Durch die Beschallung mit klassischer Musik hat man die Drogenszene vom Hamburger Hauptbahnhof vertrieben.

 

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