Niederlage für Ostern

Eier, Autos, Touristen

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Konsument 4/2007 veröffentlicht: 23.03.2007

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Aus religiöser Sicht ist Ostern nach wie vor wichtig, als weltliches Brauchtum hat es stark an festlicher Bedeutung eingebüßt. - "Kunde König": Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Jauseneier

Die gefärbten Eier zum Beispiel waren einst der Osterzeit vorbehalten. Heute treiben sie sich ganzjährig als banale „Jauseneier“ in diversen Geschäften herum, ab
Mitte Jänner lassen sie alle Hemmungen fallen und nennen sich „Ostereier“. Obwohl ihr Ablaufdatum beweist, dass sie Ostern nicht einmal von Weitem sehen werden.

Vielleicht lassen sich warme Winter so erklären: Die Natur bemerkt zufällig, dass im Februar überall Ostereier
herumliegen, und sagt sich: „Oha, schon so spät! Höchste Zeit, dass ich die Frühlingsdekoration aufblühen lasse.“ Dagegen spricht, dass sie nach dieser Theorie im September den Winter starten müsste. Wegen der Schoko-Weihnachtsmänner. Vergessen wir das also wieder.

Eierpecken und Autocrash

Bis Ostern kann man sich an den Eiern leicht sattgesehen haben, aber aus Gewohnheit werden sie doch
noch verwendet. Vornehmlich für das Eierpecken, welches mehr und mehr die Crashs auf der Autobahn symbolisiert. Ostern ist nämlich in erster Linie zu einem Verkehrsfest geworden.
Der Brauch gebietet, dass sich die Massen im Auto bewegen, bis die traditionellen Osterstaus gebildet sind. So kommt es zu einem Innehalten, dank dessen über Daseinsfragen wie „Wozu fahre ich? Wie lange stehe ich?“ philosophiert werden kann.

Ostern oder Halloween

Veränderungen gibt es auch im vorösterlichen Luftverkehr: Früher sind nur die Glocken nach Rom geflogen, heute tun das die Städtetouristen. - Die größte Niederlage steht Ostern allerdings noch bevor. Die wird es erleiden, sobald jemand eine Umfrage unter Kindern macht: „Was ist dir wichtiger? Halloween oder Ostern?“

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