Obsoleszenz: schneller alt, ...

... rascher kaputt

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KONSUMENT 8/2013 veröffentlicht: 25.07.2013

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Geplanter Verschleiß: Obsoleszenz ist zu einem Schlagwort geworden. Was steckt dahinter? Wie diskutiert die Fachwelt das Thema? Was sagt die Wissenschaft dazu?

Die geplante Obsoleszenz – die absichtliche Verkürzung der Lebensdauer von Produkten – hat in den letzten Monaten zu heftigen Kontroversen geführt. Während die Wirtschaft gerne von einem Mythos spricht, ist in Fachkreisen unbestritten, dass die Produktlebensdauer mit unterschiedlichen Methoden reduziert werden kann und auch tatsächlich wird. Und das nicht erst seit gestern. Der Begriff Obsoleszenz ist erstmals 1932 aufgetaucht, so lautet zumindest die Vermutung von Dr. Renate Hübner von der Alpen-Adria Universität Klagenfurt.

Glühbirnen: nur 1000 statt 2500 Stunden

Praktiziert wurde die Methode bereits davor: Prominente Beispiele sind das Glühbirnenkartell und die US-Automobilindustrie. Im Jahr 1924 verständigten sich die großen Glühlampenhersteller – darunter Philips, Osram und General Electric – darauf, die Soll-Lebensdauer von Glühbirnen auf maximal 1.000 Stunden zu beschränken, obwohl damals schon eine Lebensdauer von 2.500 Stunden technisch möglich war.

General Motors: Kurzlebigkeit und schneller Modellwechsel

Ford Model T: Inbegriff für Qualität und Haltbarkeit bis die Hersteller die Obsoleszenz für sich entdeckten (Bild: Keith Bell/Shutterstock)
Ford Model T: Inbegriff für Qualität
und Haltbarkeit bis die Hersteller
die Obsoleszenz für sich entdeckten
(Bild: Keith Bell/Shutterstock)

Zweites Beispiel: Der Autohersteller Ford setzte ursprünglich auf hohe Qualität und Haltbarkeit und hatte damit lange Zeit Erfolg. Sein "Model T“ beherrschte im Jahr 1921 den US-Automobilmarkt (61% Marktanteil). Hauptkonkurrent General Motors hingegen verfolgte die Strategie Kurzlebigkeit und schneller Modellwechsel. Damit konnte der Konzern seine Absätze enorm steigern. Fords Model T verlor ständig Marktanteile, 1927 wurde die Produktion eingestellt.

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Kommentare

  • Glühbirnenkartell
    von schmit1 am 20.08.2013 um 16:00
    Unfassbar, wie die Vereinbarung von 1924 immer noch polemisiert wird! Da es zu dieser Zeit noch keine Halogenglühbirnen gab, waren die 1000 Stunden ein recht guter Kompromiss zwischen Helligkeit, Stromverbrauch und Lebensdauer. Eine 2500-Stunden Lampe von 1924 hätte sich besser zu Heizzwecken geeignet als zur Beleuchtung. Das müsste eigentlich mittlerweise jedem technisch halbwegs gebildeten Redakteur klar geworden sein.
  • Fast 100 Jahre zu spät!
    von hwy2001 am 25.07.2013 um 14:48
    Geplante Obsoleszenz gibt es seit einem weltweiten Kartell der Hersteller seit den frühen 20-ern. Dass man erst jetzt darauf reagiert spricht für sich! Aber immerhin besser (zu) spät als gar nicht. Jedenfalls geht ein guter Teil der Umweltzerstörung darauf zurück, dass man diese Kritik erst jetzt äussert.
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