Onlinewetten: Fremdwort Jugendschutz

Kommentar von KONSUMENT-Redakteur B. Matuschak

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KONSUMENT 6/2014 veröffentlicht: 22.05.2014

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Von wegen "Responsible Gaming": Die Anmeldung ist leicht, die Abmeldung schwierig und erst bei der Auszahlung von Gewinnen achten Online-Wettanbieter auf das Alter der Spieler. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteur Bernhard Matuschak.

"Responsible Gaming"? Nichts dahinter!

Bernhard Matuschak (Bild: Wilke) 
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Bernhard Matuschak

Die Wettbranche gibt sich sozial und verantwortungsbewusst. Die Glücksspielkonzerne unterstützen Initiativen und Vereine, die gegen die Spielsucht und deren verheerende Folgen ankämpfen. Auf den Homepages liest man immer wieder von verantwortungsbewusstem Spiel, neudeutsch "Responsible Gaming". Schnöder Schein und nichts dahinter! Das zeigt unser aktueller Test: Fußball-Onlinewetten 6/2014.

Jugendschutz: ein Fremdwort

Wie unsere mehrfach ausgeführten Tests in Grazer und Wiener Wettbüros zeigten, ist Jugendschutz für diverse Anbieter offenbar ein Fremdwort. Minderjährige werden ungeniert um ihr Taschengeld erleichtert. Noch düsterer sieht es bei den Online-Wetten aus. Hier interessiert sich die Branche vor allem dafür, ob die Kreditkarte echt und gedeckt ist, ansonsten kann jedes Kind mit einem erfundenen Profil eine Zockerkarriere beginnen. Erst bei der Auszahlung von Gewinnen wird plötzlich auf korrekt gemacht, muss die Identität durch einen Ausweis nachgewiesen werden.

Lockmittel "Bonusprämien": nur Anbieter gewinnen

Perfide auch die Strategie, "Bonusprämien“ als Lockmittel einzusetzen. Dahinter steckt raffinierte Abzocke. Um an die vermeintlichen Geschenke zu kommen, muss ein Vielfaches des Betrages aus der eigenen Tasche lockergemacht und der ganze Betrag auch noch mehrmals in riskante Wetten gesteckt werden. Ein todsicheres System, das dafür sorgt, dass am Ende nur die Bank gewinnt. Damit der Frust nicht zu tief sitzt, warten die Dealer mit weiteren "Zuckerln“ auf, die allerdings nur in Roulette, Black Jack & Co investiert werden können – was den Tatbestand der Verführung von der gemeinen Sportwette zum reinen Glücksspiel mit Maximalsuchtfaktor erfüllt.

Abmeldung gewinnsteigernd erschwert

Und damit Abstinenzversuche nicht allzu erfolgreich, sprich: für die Konzerne geschäftsschädigend ausfallen, wird die Abmeldung einfach ein wenig komplizierter gestaltet als unbedingt nötig. Lassen Kunden, die an der Löschung ihres Konto scheitern, alles stehen und liegen und verweigern das Spiel, holen die freundlichen Wettpaten den Knüppel aus dem Sack: Bei bwin etwa wird das vermeintliche Gratiskonto dann plötzlich gebührenpflichtig. Wir haben die Firma nicht zuletzt deshalb wegen agressiver Werbung geklagt.

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