Pharmakonzerne im Ethik-Test

Fatale Nebenwirkungen

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Konsument 4/2006 veröffentlicht: 27.03.2006

Inhalt

  • Lifestyle-Produkte bringen größten Umsatz
  • Marketing geht vor Forschung
  • US-Unternehmen schwach
  • Schlechte Karten für die Dritte Welt

Schlechtes Image der Pharmabranche

Im Gegensatz zur „schwarzen“ Ölbranche, die Thema des letzten Ethik-Tests im Dezember 2005 war, dominiert in der Pharmabranche die Farbe weiß: Die Forscher in ihren Mänteln, die keimfreien Labors oder die großzügigen, lichtdurchfluteten Konzernzentralen – alles wirkt hell und sauber. Doch das ist bloß das äußere Erscheinungsbild, das Image der Pharmakonzerne scheint kaum besser zu sein als jenes der Ölmultis. Hohe Profite, Bestechung von Ärzten und Krankenhauspersonal, Patienten als Versuchskaninchen, Manipulation von Studienergebnissen, skrupellose Torpedierung von Fortschritten in der Gesundheitspolitik – all das werfen Kritiker den Medikamentenherstellern vor.

Es geht um viel Geld

Weltweit werden im Pharmasektor rund 520 Milliarden Euro umgesetzt (2004). Allein in Österreich sind es 2,4 Milliarden Euro, wenn man den Verkauf in Apotheken und Spitälern zusammenrechnet. Obwohl sich auf dem Markt an die 400 Unternehmen tummeln, dominieren einige wenige das Geschehen. 20 Konzerne vereinen zwei Drittel des Marktes auf sich. Die drei Großen, der US-Konzern Pfizer, GlaxoSmithKline aus Großbritannien und Sanofi-Aventis aus Frankreich beanspruchen zusammen 20 Prozent des Kuchens für sich. Das gilt weltweit ebenso wie in Österreich, allerdings hat der französische Sanofi-Konzern nach der Einverleibung des deutschen Konkurrenten Aventis den bis dahin unangefochtenen Marktführer Pfizer auf dem heimischen Markt bereits überholt.

Fusionen, Allianzen verringern Wettbewerb

Der Trend der letzten Jahre weist in Richtung weiterer Fusionen, strategischer Allianzen und Spezialisierungen; Ziel ist es, die Kosten zu senken und die Marktposition auszubauen. Ob das den Patienten nützt, steht auf einem anderen Blatt. So hat Aventis schon vor der Übernahme durch Sanofi dank einer Fusion drei von vier Medikamenten gegen Schlafkrankheit in seinem Angebot vereint. Mit jedem Zusammenschluss von zwei Großkonzernen wird der Wettbewerb spürbar eingeschränkt.

Sieben amerikanische  Gesellschaften

Für unsere Erhebung wurden 16 der größten Pharmakonzerne der Welt ausgewählt, die auch in Österreich den Markt dominieren. Die geografische Verteilung zeigt die Vormachtstellung der USA: Sieben Gesellschaften haben dort ihren Stammsitz, Schweiz, Großbritannien, Deutschland und Dänemark sind mit je zwei Unternehmen vertreten, Frankreich mit einem.

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Bild: VKI