Post: Hausbriefkästen

Freibrief für Langfinger

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KONSUMENT 9/2012 veröffentlicht: 30.08.2012, aktualisiert: 25.10.2012

Inhalt

Aus den neuen Hausbrieffachanlagen können Poststücke entwendet werden. die Post hält die Kästen dennoch für sicher.

Bei uns im Haus wurden die neuen Brief­kästen montiert“, schrieb uns eine Konsumentin. „Die sind für alle, die hineingreifen wollen, kein Problem.“ Ein anderer Leser machte die Probe aufs Exempel: „Aus meinem Brieffach konnte ich ohne Probleme und Hilfsmittel ­große Teile meiner Post nur mit der Hand über den Einwurfschlitz entnehmen.“

Mehrere Postfirmen

Nötig wurde die Umstellung der Hausbrieffachanlagen durch die Post­liberalisierung: Auch alternative Anbieter müssen Postsendungen zustellen können. Die bekannten goldmetallfarbenen Kästen konnte aber nur ein Postler aufsperren. ­Daher müssen sie ausgetauscht werden.

Laut Postgesetz ist die Post für den Austausch verantwortlich. Für die neuen Brieffach­anlagen schreibt das Gesetz unter anderem vor, dass sie so beschaffen sein müssen, „dass ­jedenfalls die Abgabe von Postsendungen, ausgenommen Pakete, über einen ausreichend großen Einwurfschlitz ohne Schwierigkeiten gewährleistet ist und die Sendungen vor dem Zugriff Dritter geschützt sind“. Dafür gibt es auch eine eigene Norm.

Beschwerden über neue Postfächer

Offenbar lässt sich diese Bestimmung aber unterschiedlich interpretieren. Jedenfalls ­haben uns mehrere Beschwerden erreicht, dass die neuen Fächer nicht entnahmesicher sind. Mit dieser Kritik haben wir die Post konfrontiert. Und die antwortete uns: „Natürlich erfüllen die von der Post bzw. ihrer ­Tochtergesellschaft PS Postservicegesellschaft m.b.H. montierten Hausbrieffach­anlagen, die von der Firma Renz hergestellt werden, die Vorgaben des Gesetzes und entsprechen den Normen auch hinsichtlich des Eingriffschutzes und der Sicherheit (ÖNORM EN 13724 und dem § 34 Abs. 2 Postmarkt­gesetz).

Dies wurde auch von der Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien geprüft und bestätigt. Die von der PS Postservicegesellschaft m.b.H. zur Montage gelangenden Hausbrieffächer verfügen auf Grund der Tatsache, dass der ­Anstellwinkel sogar 20 Grad beträgt, über einen noch weiter erhöhten und geeigne­teren Eingriffsschutz als die von der MA 39 geprüften Hausbrieffächer.“

Die Klappe ist kein Hindernis: So leicht lassen sich Poststücke aus den angeblich entnahmesicheren Postkästen herausnehmen.

Bild: Hausbrieffach, Bild: Kubu  Bild: Hausbrieffach, Bild: Kubu  Bild: Brieffach; Bild: Kubu 

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Kommentare

  • Die ÖNORM EN 13724 ist nicht verbindlich !!!
    von MichaelKohlhaas am 04.02.2013 um 07:38
    Grundsätzlich stellen Normen Regelwerke dar, die angewendet werden können, aber nicht angewendet werden müssen! Wenn z.B. ein Bauteil einer Norm entsprechen soll, muß dies auch ausdrücklich so festgelegt sein! Nachdem im Postmarkgesetz(PMG) nicht festgelegt ist, daß die neuen HBFA der ÖNORM EN 13724 entsprechen müssen, ist auch jede Bezugnahme darauf bzw. jede Recht-Fertigung damit unverbindlich! Dies gilt natürlich ebenso für den von der MA39 im Auftrag der Fa.Renz erstellten Prüfbericht, der übrigens ohnehin weder eine PMG-gerechte Ausführung bestätigt, noch eine normgerechte „Zertifizierung ÖNORM-geprüft“ darstellt! Womit der Schlichtungsstelle RTR die Hände nicht gebunden sind und schon längst ihres Amtes walten könnte wenn sie wollte!
  • Briefgeheimnis
    von REDAKTION am 21.11.2012 um 11:12
    Eine strafrechtliche Anzeige kann jede/r kostenlos erstatten. Die Erfolgsaussichten schätzen wir angesichts der derzeitigen Aktivitätsrate der österreichischen Staatsanwaltschaften nicht allzu hoch ein. Ihr KONSUMENT-TEAM
  • Briefgeheimnis
    von wolf3176 am 20.11.2012 um 16:10
    Ich bin leider kein Jurist - für mich besteht aber der Verdacht, dass die neuen Hausbriefanlagen - durch die nicht nur theoretische Möglichkeit zur unbefugten Entnahme von Briefsendungen - der Verletzung des Briefgeheimnisses (§ 118 StGB) Vorschub leisten. Welche Aussichten hätte auf Grund dieser Überlegungen Ihrer Meinung nach eine Klage gegen unbekannte Täter?
  • sicherheit gegen entnahme aus den neuen hausbriefkästen
    von der besserwisser am 29.09.2012 um 21:51
    gegenüber VKI wurde bestätigt, dass die postfächer den normen hinsichtlich des eingriffschutzes entsprechen - mir gegenüber gab die post zu, dass die fächer lediglich „einen Zugang ohne Hilfsmittel und ohne Gewaltanwendung ERSCHWEREN“ - sprich: die poststücke liegen nicht frei zugänglich auf und sie sind (großteils) vor nässe geschützt. diesen zustand finde ich unter bezug auf das briefgeheimnis etwas dürftig. und dass dies von der ÖNORM bewilligt wurde, finde ich skandalös.
  • Bezugsquelle Postentnahmesicherung
    von beethoven am 09.09.2012 um 11:47
    S.g. Konsument-Team! Sie schreiben, dass die "Kralle" zum Nachrüsten im Eisenwarenfachhandel und bei Schlossern erhältlich ist. Meine Erfahrungen sehen anders aus. Ein Verkäufer bei einem EVVA-Partner meinte, er kann es zwar bestellen, aber es passt nur für EVVA-Briefkastenanlagen. In unserem Haus sind die neu montierten Briefkästen aber von Renz. Einige andere Geschäfte wussten nicht, wo man das bekommen könnte bzw. meinten "sowas gibt es nicht". Eine Verkäuferin in einem Baumarkt gab mir dann einen "todsicheren" Tipp. Die Firma S. hat das, sicher. Und der Verkäufer der Firma S. erzählte mir dann folgende wilde Geschichte: Sie haben es (gegen Bestellung) gehabt, aber die sind verboten worden. Es hat sich einmal einer beim Hineingreifen in ein (fremdes!) Postfach verletzt, geklagt, und ist bei Gericht damit durchgekommen. Daraufhin hat die Post diese Dinger verboten." Und darum dürfen sie diese Dinger nicht mehr verkaufen. Also unabhängig von der Diskussion über die Wirksamkeit: Sind diese "Krallen" jetzt erhältlich oder nicht? Wenn ja bitte um eine _konkrete_ Bezugstellenangabe (mit Name und Adresse). Oder sind sie tatsächlich verboten??? Das wäre dann ein extrem schlecht recherchierter Artikel, wenn Sie etwas empfehlen, was verboten ist!
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo