Postkästen: unsicher

Kommentar von KONSUMENT-Redakteurin Veronika Kaiser

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KONSUMENT 11/2012 veröffentlicht: 18.10.2012

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Seit Monaten erreichen uns Beschwerden von Konsumenten über die neuen Postkästen in Mehrfamilienhäusern. Deren Öffnung ist so groß, dass man hineingreifen kann. Langfinger haben also leichtes Spiel. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteurin Veronika Kaiser.

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Veronika Kaiser
Chefin vom Dienst

Nötig wurden die neuen Hausbrieffachanlagen, damit alle Postunternehmen Briefe zustellen können. Bezahlen muss das die Post. Sie hat die neuen Kästen auch ausgewählt. Doch dabei dürfte der Postfuchs danebengegriffen haben.

Norm wurde eingehalten

Die Norm für Hausbrieffächer wurde zwar eingehalten. Nur schreibt diese Norm offenbar keine "händische" Prüfung vor, also, ob man hineingreifen kann. Diesen Test hätte das Modell, das jetzt installiert wurde, vielleicht nicht bestanden. 

Post-Aufsichtsbehörde: kein Grund einzuschreiten

Die Post selbst verweist darauf, dass die Norm sogar übererfüllt wurde (siehe Hausbrieffachanlagen - Gesetzeskonform). Nach Ansicht der Post-Aufsichtsbehörde ist dieser Vorschrift jedenfalls Genüge getan, sie sieht keinen Grund zum Einschreiten. Und damit nicht genug des Ärgers: Als Abhilfe bieten Fachbetriebe wie Schlosser, Eisenwaren- und Wohnbedarfshandel sogenannte Postentnahmesicherungen in Form von "Krallen“ an, die unbefugte Eingriffe erschweren sollen; man kann sie selbst anbringen. Doch oft hält hier der Klebstoff nicht. Man muss also zusätzlich teuren Spezialkleber kaufen. Und die Poststücke werden durch diese Krallen beschädigt.

Erst muss ein Schaden eintreten

Wehren kann man sich gegen die unzureichenden Kästen nicht. Man könnte nur Schadenersatz verlangen, wenn ein Brief nachweislich durch den "einladenden“ Schlitz entwendet wurde. Doch der könnte auch schon auf dem Postweg verschwunden sein.

Neue Postkästen sind nicht sicher (Bild: Kubu) 

Die Post argumentiert, sie könne ja keine Tresore anschaffen. Das ginge über die gesetzlichen Vorgaben hinaus – und würde die ohnedies immens hohen Kosten noch erheblich steigern. Da können sich Betroffene nur giften. Aber die Norm ist erfüllt.

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Kommentare

  • Die ÖNORM EN 13724 ist für die neuen HBFA nicht vorgegeben
    von MichaelKohlhaas am 03.02.2013 um 09:26
    Die Post "versteckt" sich nach wie vor hinter der ÖNORM EN 13724. Tatsache ist, daß diese Norm im Postmarktgesetz(PMG) in keinem Punkt vorkommt, ergo die Anwendung dieser Norm nicht vorgegeben wird und damit jede Rechtfertigung mit dieser Norm unzulässig ist! Dies gilt ergo ebenso für den, im Auftrag der Fa.Renz erstellten Prüfbericht der MA39, der ohnehin weder die PMG-gerechte Ausführung bestätigt, noch ein normgerechtes "Zertifikat ÖNORM-geprüft" darstellt!
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