Schokolade

Süßes aus Kinderhand

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KONSUMENT 9/2014 veröffentlicht: 28.08.2014, aktualisiert: 23.10.2014

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Jahrzehntelang wurde in der Kakaoproduktion Raubbau an Mensch und Natur betrieben – jetzt droht ein Versorgungsengpass. Doch die steigenden Preise kommen nicht den Kakaobauern zugute.

Seit den 1980er-Jahren sind die Kakaopreise real um die Hälfte gefallen, was dazu führte, dass Kakaobauern die Produktion einschränken mussten und veraltete Baumbestände nicht ersetzen konnten. Nun steigt die ­weltweite Nachfrage nach Schokolade.

Engpässe: Lager werden leer geräumt

Um Engpässe zu verhindern, müsste der weltweite Ertrag um ca. 100.000 Tonnen pro Jahr angehoben werden, wie eine Erhebung des weltweit größten Kakaoverarbeiters Barry Callebaut aus der Schweiz ergab. Derzeit gibt es jedoch kaum Potenzial zur Steigerung, sondern die Lager werden leer geräumt, um die aktuelle Nachfrage zu bedienen.

Kakaobauern bekommen immer geringeren Anteil

Durch die hohe Nachfrage kam es bereits letztes Jahr zu einer fast 20-prozentigen Preissteigerung – von der die Kakaobauern in keiner ­Weise profitieren. Sie erhalten aktuell 6 Prozent des Verkaufspreises einer Tafel Schoko­lade; 1980 waren es noch 16 Prozent. Im ­selben Zeitraum stieg der Anteil der Kakao- und Schokoladenunternehmen am Verkaufspreis von 56 % auf 70 % und jener des Einzelhandels von 12 % auf 17 %.

Eine Milliarde Gewinn oder weniger als $ 1,25 pro Tag

Während Mondelez (vormals Kraft Foods), Produzent von Topmarken wie Milka, sich über fast eine Milliarde Euro Gewinn freut, hat der seit Jahren tobende Preiskampf dazu geführt, dass Millionen von Kakaobauern und ihre Familien unter der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag leben müssen.

"Viele Jahrzehnte war es für Industriestaaten und multinationale Konzerne ganz einfach, Menschen aus dem Süden auszubeuten", kritisiert Gerhard Riess von der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, die ein Mitglied des europäischen Gewerkschaftsnetzwerkes ­cocoanet.eu ist.

Sinkende Erträge, Perspektivlosigkeit, Landflucht

"Heute sind die Kakaofelder von der intensiven Bewirtschaftung ausgepowert. Sinkende Erträge, Perspektivlosigkeit und Landflucht führen dazu, dass der steigende Bedarf der Industrie an Kakao­bohnen bald nicht mehr gedeckt werden kann." Auf die zu erwartenden Lieferengpässe reagiert die Industrie nun, indem sie millionenschwere Förderprogramme zur Steigerung der Produktivität der Kakao­plantagen ins Leben ruft.

Mehr Dünger statt nachhaltiger Produktionssteigerung

"Kurzfristige Produktionssteigerungen durch einen verstärkten Einsatz von Düngemitteln und andere Chemikalien gefährden die Gesundheit der Produzenten und sind eine Mogelpackung, weil sie im Gegensatz zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und ökologischem Kakaoanbau nicht nachhaltig sind – im Gegenteil", kritisiert Bernhard Zeilinger, ­Leiter der Südwind-Kampagne "Make Chocolate Fair!"


Kampagne für faire Schokolade 
 

Damit faire Schokolade in Zukunft zum Standard wird, wurde die europaweite Kampagne "Make Chocolate Fair!" ins Leben gerufen. Deren Forderungen können durch eine Petition auf at.makechocolatefair.org unterzeichnet werden.

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