Werbefahrten: zwielichtige Verkaufskanonen

Glosse von Alois Grasböck

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Konsument 4/2010 veröffentlicht: 18.03.2010

Inhalt

Beachtlich, wie manche Verkäufer überteuerte Ware anpreisen. - "Kunde König" - ein satirischer Kommentar zum Thema Verkaufsmaschen von Alois Grasböck.

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Alois Grasböck

Da muss man einmal dabei gewesen sein, wenn so eine zwielichtige Verkaufskanone ihre Show abfeuert. Ein Wahnsinn! Die Besten würden es sogar mitten in der Sahara schaffen, einen Kübel Sand um 900 Euro zu verkaufen. Mit dem Argument, das sei heilkräftiger Wundersand, der Rheuma und Blasenschwäche wegzaubert wie nichts. „Nur heute um 900 Euro, weil Sie so ein nettes Publikum sind, normalerweise kriegen Sie diesen Sand nicht unter 1.500 Euro! Und wenn Sie zwei Kübel nehmen, bekommen Sie hier und jetzt von mir dieses einzigartige Sandschauferl GRATIS dazu!“

Im Minutentakt beleidigt

Da muss man einmal dabei gewesen sein, wenn der gesunde Hausverstand im Minutentakt beleidigt wird. „Der Herr da drüben schaut ein bisserl skeptisch, aber diesen Sand haben amerikanische Wissenschafter untersucht und festgestellt, dass man schon mit ein paar Körnern täglich auch Magenleiden lindern kann. Gerade im reiferen Alter schlägt sich ja öfter was aufs Magerl, gell, Herrschaften, aber mit diesem Sand sind Sie garantiert nicht mehr am Sand!“

Gehirnverschmutzung mit Wirkung

Da muss man einmal dabei gewesen sein, wenn die Gehirnwäsche, nein, wenn die Gehirnverschmutzung ihre Wirkung zeigt. Wenn sich Menschen, die beim Einkauf auf jeden Cent schauen, plötzlich wirklich für das Zeug zu interessieren beginnen. Für die supergesunde Felldecke. Oder für den Wundertopf. Sogar beim erfundenen Beispiel mit dem Sand muss man das Schlimmste befürchten. Will die Menschheit betrogen werden? Teilweise schaut es danach aus, sonst könnten Werbefahrten, plumpe Betrüger-Mails und dubiose Gewinnspiele nicht immer wieder Opfer finden.

Der einzige Trost

Wenigstens ein Trost lässt sich finden: Solange die zwielichtigen Verkaufskanonen Erfolg haben, werden sie bei dieser Masche bleiben. Das ist gut, denn in der Politik könnten sie noch mehr Schaden anrichten.

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