Wettbüros

Abzocke unter 18

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KONSUMENT 6/2011 veröffentlicht: 25.05.2011

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Der Jugendschutz in Wettbüros lässt immer noch stark zu wünschen übrig, und Online-Wettportale entziehen sich der Kontrolle.

Kurz vor der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika im vergangenen Jahr nahmen wir den Jugendschutz in Wiener Wettbüros unter die Lupe (Test Wettbüros in KONSUMENT 6/2010). Das Ergebnis war niederschmetternd. In 12 von 15 getesteten Etablissements konnten unsere minderjährigen Testpersonen problemlos ihre Tipps abgeben, ungeachtet der Tatsache, dass Minderjäh­rigen alleine schon der Aufenthalt in Wett­büros gesetzlich untersagt ist.

Selbstkritik nach Test 2010

Die Reaktionen waren heftig und unser Test kratzte am Selbstverständnis der Betreiber. Die setzen sich auf ihren Websites nämlich gerne in ein verantwortungsbewusstes Licht. Von der "Pflicht und Verantwortung, Kinder und ­Jugendliche vor unüberlegten Handlungen zu bewahren“ ist etwa bei Cashpoint die Rede. Und der Geschäftsführer der Admiral Sportwetten GmbH, Jürgen Irsigler, lud uns im Anschluss an unseren Test gar zum Gespräch, um aus erster Hand Informationen zu erhalten, wie der Jugendschutz zu verbessern sei. „Wir sind erschüttert und haben reagiert. Würde der Test wiederholt werden, würde das Ergebnis ganz anders ausfallen“, ver­sicherte uns der Admiral-Sportwetten-Boss zerknirscht. Und kündigte an, die Schulung des Personals zu verschärfen. Im Test waren vier der fünf Büros mit dem blauen Logo durchgefallen.

Jugendschutz missachtet

Wir haben unseren Test wiederholt. Lesen Sie neben dem Test auch unsere beiden Kommentare:

Drei minderjährige Testpersonen hatten den Auftrag, in insgesamt 18 Wiener Wettbüros ihre Einsätze zu platzieren. Zwar fiel das Ergebnis etwas besser aus als 2010, von einem funktionierenden Jugendschutz kann jedoch nach wie vor keine Rede sein. In acht (44 %) von 18 Wettbüros gelang es mindestens einem Tes­ter, einen Tipp abzugeben. In diesen Einrichtungen wurde weder nach dem Alter noch nach einem Ausweis gefragt.

Wettpunkt, Cashpoint, Admiral

Betroffen waren vier Büros des Betreibers Wettpunkt  sowie jeweils zwei Einrichtungen von Cashpoint  und Admiral. In einem Wettpunkt-Büro ließ sich der Betreiber auch nicht durch die Bemerkung eines anderen Kunden irritieren, der meinte, der Tester sehe nicht aus, als sei er bereits 18. Der Angestellte fragte weder nach noch verlangte er einen Ausweis.

In der Tabelle finden Sie:

Marke, Type, Produkte, Dienstleistungen
Cashpoint, Wettpunkt, Wettpunkt, Admiral, Admiral, Admiral, Wettpunkt, Admiral, Wettpunkt, Admiral, Admiral, Wettpunkt, Cash Point, Sportwetten Pirker, Cashpoint, Wettpunkt, Admiral, Admiral

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Kommentare

  • Kleines Glücksspiel in Wien verboten?
    von powerplana am 05.06.2011 um 10:37
    Bin schon sehr gespannt, mit welchen Argumenten ROT/GRÜN auf die Forderung der SP-Basis reagieren wird. Auch KONSUMENT sei´s gedankt, dass aufgezeigt wird, wo der Jugendschutz aufhört: nämlich da, wo es um die Kohle geht und mit Geld geölte Netzwerke Politik machen.
  • Jugendschutz
    von Neuberger am 04.06.2011 um 22:09
    Während Nachbarländer den Schutz Jugendlicher vor der Spiel- Alkohol- und Tabakindustrie bis zum 18. Lebensjahr ausweiteten und regelmäßig Testkäufe mit Minderjährigen machen, die zu hohen Geldstrafen führen können, im Wiederholungsfall zum Lizenzverlust des Trafikanten oder Wirtes, opferte Österreich den Jugendschutz kurzsichtigen Wirtschaftsinteressen. Der Kinderbericht der OECD, die WHO-Studie HBSC u.a. stellen uns mit Recht ein schlechtes Zeugnis aus. Der Wirtschaftsminister braucht den Jugendschutz nur mehr für Sonntagsreden. Letztlich wird aber auch die Wirtschaft durch frühzeitig spiel-, alkohol- oder nikotinsüchtig gemachte Menschen geschädigt werden.
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