Wettbüros: kein Jugendschutz

Faule Wetten

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Konsument 6/2010 veröffentlicht: 18.05.2010, aktualisiert: 19.05.2010

Inhalt

  • Jugendschutz wird in den meisten Wettbüros nicht eingehalten
  • Spielsucht einer der Hauptgründe für Verschuldung Jugendlicher
  • Bei Onlinewetten lässt sich der Jugendschutz problemlos umgehen

Am 11. Juni ist Anstoß zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Auch wenn Österreich wieder einmal nicht dabei ist: Für einige heimische Firmen winkt dennoch das große Geschäft. Vor allem die Anbieter von Fußballwetten reiben sich die Hände. Bei den letzten großen Turnieren – wie der Euro 2008 oder der WM 2006 in Deutschland – verdoppelten die Tipper ihre Einsätze.

Seit 1988 in Wien erlaubt

Gewettet wird hierzulande ohnehin nicht wenig. In ganz Österreich kann man in Hunderten Wettlokalen dem Glücksspiel frönen. Der Boom geht auf den Beginn der 1980er-Jahre zurück. Konnte auf den Ausgang von Pferderennen bereits im 19. Jahrhundert gesetzt werden, so beharrte der Staat beim Fußball lange auf seinem Monopol. Neben dem 1949 eingeführten Sport- Toto waren keine Wetten auf Fußballspiele erlaubt.

Erst in der ersten Hälfte der 80er- Jahre wurde das Verbot gelockert, Lizenzen für Buchmacher wurden erteilt. In Wien dauerte es ein wenig länger. Die Metropole wachte besonders eifersüchtig über ihre Pfründe. Bis 1988 waren Fußballwetten innerhalb der Stadtgrenzen verboten. Die Broker mussten an die Peripherie ausweichen und eröffneten Büros in Baden, Schwechat oder Perchtoldsdorf. Die Tipps konnten direkt oder am Telefon abgegeben werden.

Inzwischen gehören die Wettcafés zum Straßenbild wie Bäckereien, Würstelstände und Trafiken. Nicht nur zur WM-Zeit genehmigen sich viele Tipper ihr Seidel und die Gulaschsuppe lieber hier als im Beisl. Lässt sich doch der Ausgang der Partien nicht nur live am Großbildschirm verfolgen, sondern man kann auch während der Partie noch schnell eine Wette platzieren.

15 Wiener Wettcafés gestestet

Auch wir haben im Vorfeld der WM unser Glück versucht. Zwei Testpersonen begaben sich in 15 Wiener Wettcafés, um dort auf den Ausgang von Fußballspielen zu setzen. Der Haken an der Geschichte: Unsere Tester waren minderjährig. Laut Jugendschutzgesetz dürften sie sich deshalb in Wettlokalen nicht einmal aufhalten, geschweige denn Einsätze platzieren.

Die Kontrolle der Einhaltung des Gesetzes obliegt den Betreibern der Etablissements. Nach eigener Aussage nimmt es die Branche damit sehr genau. „Der Wettkunde erklärt, dass er mindestens 18 Jahre alt ist. Im Zweifelsfall ist der Buchmacher berechtigt, eine Ausweisleistung zu verlangen“, heißt es etwa in den Allgemeinen Wettbestimmungen der Admiral Sportwetten GmbH.

Auch bei Cashpoint Malta Ltd. wird „großer Wert“ auf die jugendschutzrechtlichen Bestimmungen gelegt. „Es ist unsere Pflicht und Verantwortung, Kinder und Jugendliche vor unüberlegten Handlungen zu bewahren. Deshalb werden mit Personen unter 18 Jahren keine Wetten abgeschlossen“, ist auf der Homepage zu lesen.

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