Wettbüros: Verlierer und Gewinner

Kommentar von KONSUMENT-Redakteur Bernhard Matuschak

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KONSUMENT 6/2011 veröffentlicht: 20.05.2011

Inhalt

Der Jugendschutz soll junge Menschen von den Gefahren des Glückspiels abhalten. Unser Test zeigt: Das funktioniert nicht. Dafür verdienen Städte, Länder, Gemeinden am Glücksspiel. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteur Bernhard Matuschak.

Bernhard Matuschak (Bild: Wilke)
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Bernhard Matuschak

Dass Spielsucht häufig mit Drogenmissbrauch, Diebstahl und Betrug, Gewalt in der Familie und Selbstmord einhergeht, zeigen Studien. Unbestreitbar ist auch: Je früher die "Spielerkarriere" beginnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, spielsüchtig zu werden. Nach Paragraph 25 des Glücksspielgesetzes ist minderjährigen Personen deshalb alleine schon der Aufenthalt in Spielbanken verboten; entsprechende Regelungen finden sich in der Jugendschutzgesetzgebung aller Bundesländer.

Schlimmer als Alkohol

Dies ist gut so, denn Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, die im Jugendbereich tätig sind, stufen Spielsucht als größtes Suchtproblem ein, noch vor Alkohol, Nikotin und Drogen. All diese Zusammenhänge dürften auch innerhalb der Branche bekannt sein, doch es grassiert gelinde ausgedrückt Fahrlässigkeit. Bereits im vergangenen Jahr stellten wir ernüchtert fest, dass Minderjährige schier ungehindert Zugang zum Glücksspiel haben. Wir haben unseren Test wiederholt und müssen konstatieren, dass es nach wie vor schwarze Schafe unter den Betreibern gibt. Im Internet kann von Jugendschutz überhaupt keine Rede sein.

Mehr Automaten, mehr Spielsüchtige

Erstmals haben wir heuer auch das Kleine Glücksspiel unter die Lupe genommen. Dort, wo die Automaten zugelassen werden, steigt nach Ansicht von Experten die Zahl der jugendlichen Spielsüchtigen besonders an. Als Argument für die Legalisierung der Automaten ist immer wieder von einem verbesserten Jugendschutz die Rede. Unsere Tests zeichnen ein anderes Bild.

Betreiber ignorieren Vorschrift

Und es erstaunt uns wieder, wie kaltschnäuzig sich Betreiber über das Recht hinwegsetzen und wie wenig Verantwortungsbewusstsein in der Branche herrscht. Selbst der Hinweis eines anderen Kunden, unser Tester sehe aber nicht aus, als sei er volljährig, brachte einen der Angestellten nicht ins Grübeln. Das wäre vermutlich auch zu viel verlangt, schließlich geht es um sehr viel Geld.

Es geht um sehr viel Geld

Für die Betreiber, die enorme Gewinne einsacken, für Städte, Länder und Gemeinden, die ungeachtet der Probleme, die sie sich damit einhandeln, am Glücksspielkuchen mitnaschen – und vor allem für die Spieler, die ihre Einsätze und nicht selten auch ihre Existenz verlieren.

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