Zahlen fürs Leitungswasser

Verstimmung zwischen Gästen und Wirten

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veröffentlicht: 11.07.2012, aktualisiert: 31.10.2016

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Sollen Lokale etwas für Leitungswasser verrechnen? Das Thema schlägt inzwischen überregionale Wellen. Nun führen einige wenige Gastronomen die Spende für das Leitungswasser ein.

In der KONSUMENT-Redaktion beschwerten sich Leser, dass Wirte für Wasser, präziser: Leitungswasser Geld verrechnen - einer über das Restaurant Stift Göttweig, ein anderer über das Hotel Inns Holz in Ulrichsberg. Ein Dritter hat im Forum "Schlechte Erfahrungen gemacht" seine Meinung kundgetan ("Wasser in Gaststätten selbst mitnehmen?"). Eingehoben wird die Wassergebühr aber inzwischen in vielen Lokalen. Das Argument der Gastronomen: Auch ein Glas oder ein Krug Leitungswasser sei eine Dienstleistung und die koste etwas.

Rechnung für Sturm und Wasser (Bild: M.T./VKI)  Auf der anderen Seite stehen Kunden, die sich ärgern - so ein Bericht im Online-Standard (Der Wirte Kampf ums Wasser). Kunden, die den Preis für einen Viertelliter Leitungswasser auf den Kubikmeter hochrechnen und mit jenem Preis vergleichen, den die Betriebe für das Leitungswasser an die Gemeinde bezahlen.

"Verzicht auf kleinliche Gesten"

Karl Wratschko, Obmann der Gastronomie der Wirtschaftkammer Steiermark, empfiehlt seinen Wirten, eine Servicepauschale zu verlangen. Robert Seeber, Spartenobmann in der Wirtschaftkammer OÖ empfiehlt "nichts zu verrechnen“. Nachsatz: Und wenn ein Gastwirt etwas für Leitungswasser verrechnet, dann "soll es auf der Karte klar erkennbar sein." Unterstützung kommt aus Wien: Kostenfrei serviertes Leitungswasser sei laut Tourismusdirektor Norbert Kettner "ein traditioneller Service in Wiens Gastronomie“. Ausschließlich im Fall einer Bestellung von Wasser als einzigem Getränk sieht er eine Verrechnung als gerechtfertigt an. Kettner: "Gastronomie von internationalem Rang zeichnet sich auch durch den Verzicht auf kleinliche Gesten aus".

Auch Journalismus von internationalem Rang hat sich der Sache angenommen. So findet sich in einem Artikel der "Süddeutschen Zeitung" über die Wassergebühr in Wiener Kaffeehäusern die Formulierung "hirnverbrannte Idee“.

Steter Tropfen

Der vorläufig letzte Tropfen im Streit ums Wasser ist die Wasserspende. Denn wenn der Kunde wirklich nichts zahlen will, dann könnte vielleicht Mildtätigkeit das harte Herz benetzen und erweichen. Wasserspende.at - eine Kooperation von World Vision und dem Verein "Besseres Wasser" - setzt auf Charity. Die 11 teilnehmenden Lokale überweisen, so das Konzept, die Hälfte ihrer Einnahmen aus dem Verkauf von Leitungswasser an den Projektorganisator. Der wieder unterstützt den Bau eines Handpumpenbrunnens im Dorf Waokor in Sierra Leone. Spendenstand am 11.7.2012: Null Euro. (Aktualisierung der Redaktion: seit Anfang 2015 ist die Seite offline)

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Kommentare

  • Wasser im Gasthaus
    von hitzigeh am 22.07.2012 um 16:15
    meiner Meinung ist es gerechtfertigt, bei Gästen die nichts konsumieren etwas fürs Wasser zu verrechnen. Wenn Gäste jedoch essen und trinken, für s Glas Wasser (des Fahrers) etwas zu verrechnen, ist unfähr und unverschämt. Solche Gaststätten sollte man zukünftig meiden!
  • super
    von Albrecht23 am 18.07.2012 um 09:42
    Ich bau gleich meinen Wasserzähler im Keller ab, weil "Wasser ist ja gratis", richtig ? während in anderen Gegenden Kriege ums Wasser geführt werden, glaubt man hier, dass alles umsonst sein müsse - sei es Musik, Literatur die man selbstverständlich völlig kostenlos aus dem Internet laden kann, Wasser etc...
  • Zahlen fürs Leitungswasser
    von opritz am 16.07.2012 um 09:13
    Ich und so geht es vielen meiner Bekannten finde es nicht in Ordnung wenn der Wirt etwas für das Leitungswasser verlangt. Es für den Wirt auch kein wiklicher Gewinn, da so wie ich, Gäste, weil sie verärgert sind, das Lokal nicht mehr besuchen. Wenn nur ein Gast in der Woche deswegen wegbleibt, der um € 30 konsumiert, kann er viel Leitungswasser verkaufen und versuchen neue Kunden zu gewinnen.
  • Liebe WEB-Redaktion!
    von NETclub50plus am 16.07.2012 um 00:16
    Wie Ihr sicherlich erkennt, sind meine Beiträge von fundamentaler Bedeutung für das Weltgeschehen :-). Aber als "Wurscht", wie sie derzeit daherkommen, sind sie auch eine Lese-Zumutung für die potentiell fünf bis sechs anderen, am Thema Interssierten. Zumindest eine Absatzfunktion einzubauen, das wäre schön. Habe dies mit [B] versucht, natürlich ohne Erfolg. Ihr seid bestimmt fleißige Bienchen, die andere Sorgen auch haben, aber vielleicht...? (Und wenn es sein soll, hackt die Absätze selber rein:-). LG
  • Wer sind die handelnden Personen?
    von NETclub50plus am 15.07.2012 um 23:58
    Diese Frage ist beim gegenständlichen Thema nicht ganz uninterssant: [B] Tourismusdirektor Kettner hat mit großer Wahrscheinlich noch nicht eine Schank (arbeitend) von hinten gesehen. Der Tourismusdirektor ist vielmehr Vollblut-Politfunktionär in vielfältigen Bereichen (außer Gastronomie). Zitat: "Kettner ist Mitglied des Stiftungsrates von Österreichs öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt ORF, Aufsichtsrat der Stadt Wien Marketing GmbH, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Kunsthalle Wien GmbH sowie Mitglied des Tourism and Hospitality Industry Advisory Boards der Modul University Vienna. Von 1997 bis 2007 war er Vorstandsmitglied des Life Balls, Europas größtem AIDS Charity Event." Na, bei diesem Idioten-Event (sorry, meine Einschätzung) kann man wohl wirklich auf die "kleinlichen Gesten" verzichten. (Quelle: http://b2b.wien.info/de/presse/bilder/fotos-norbert-kettner/). Das MONATLICHE Einkommen von Herrn Kettner dürfte in etwa dem durchschnittlichen JAHRESeinkommen eines der 5.000 (kleinen) Wiener Wirte entsprechen (ca. 10.000 vor Steuer, eigene Schätzung). [B] Auch Herr Seeber ist fleißiger Funktionär, mit nicht weniger als 9 Positionen/Funktionen bei der Wirtschaftskammer (Quelle: http://portal.wko.at/Utils/Funktionaere/Fkt_Detail.aspx?fnr=303212&fk=3&dstid=252&dstidfkt=252). Aber er hat zumindest einen Gastro-Betrieb in Linz, wo er das Seiterl Gösser um 3,20 Euro verkaufen kann. (Quelle: http://www.promenadenhof.at/promenadenhof.at/index.jsp?company=promenadenhof.at&state=default&menuId=1). Das ist der Preis, den der "normale" Wiener Wirt höchstens für das Krügerl verlangen kann. Bei diesem Preis fällt ein Glaserl Gratis-Wasser somit nicht wirklich ins Gewicht ... [b] Was nun das Zitat aus der "Süddeutschen" betrifft, so ist dies dort nur ein Nebensatz eines erstauten Kellners, den man mit der Frage konfrontiert hatte, ob es denn okay sei, das Wasser zum KAFFEE zu berechnen (ein journalistisches "Legerl" à la "Journalismus von internationalem Rang", haha). Das stand aber nie und steht auch nicht zur Diskussion. Somit nicht der Erwähnung im KONSUMENT wert. [B] Was die "Spenden"-Idee betrifft: Eine ziemlich dumme, reine Geschäftsidee. Ich weiß dies deshalb, weil unlängst ein im Öffi neben mir sitzender, involvierter Mensch via Handy versucht hat, diese Idee seinem Gesprächspartner einzureden scheint nach dem Schneeballsystem zu funktionieren, mit Gewinnbeteiligung. [b] Nicht zuletz: HIER die "offizielle" Empfehlung der Wirtschatskammer für die Textierung von Wasser-Gebühren in der Speisenkarte: "Gerne servieren wir Ihnen Leitungswasser. Wir bitten um Verständnis, dass wir für dieses Service einen geringen Kostenersatz in Rechnung stellen. Dieser dient als Beitrag zu Personalaufwand, Energie- und sonstigen Betriebskosten Ihres Wirtes, die unabhängig vom reinen Warenwert Ihrer Bestellung anfallen." DEM ist wahrlich nichts hinzuzufügen.
Bild: VKI