Tchibo-Filzstifte mit Stempelfunktion

Einige Inhaltsstoffe giftig

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KONSUMENT 10/2013 veröffentlicht: 26.09.2013

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Tchibo verkaufte vor einiger Zeit Stempelfilzstifte um 5,95 Euro. Eine besorgte Mutter machte der starke Geruch stutzig; wir ließen das Produkt analysieren: Es enthält Ethanol, Cyclohexanon, Ethylacetat, Ethylbenzol, Xylol und 1,2-Dichlorethan, also giftige Inhaltsstoffe. Sie werden beim Einatmen aufgenommen und sind absolut ungeeignet für Kinder!

Kinder malen und stempeln gern. Das dachten auch Freunde der Familie S., als sie deren Kindern Filzstifte mit integrierten Druck- und Rollstempeln von Tchibo mitbrachten. Bald fiel der aufmerksamen Mutter jedoch der starke Geruch nach Lösungsmitteln auf und sie wandte sich an die Tchibo-Kundenservicestelle mit der Bitte um Stellungnahme und an uns.

Nicht für Kinder geeignet

Stempel-Filzstifte vor einiger Zeit bei Tchibo erhältlich: giftig und ungeeignet für Kinder /Bild: E. Würth/VKI 

Wir haben die Stifte vom österreichischen Umweltbundesamt und dem deutschen Prüfinstitut DEKRA chemisch analysieren lassen. Ein alarmierendes Ergebnis kam zutage: Die Filzstifte mit Stempelfunktion enthalten gesundheitlich gefährliche Stoffe und haben nichts in Kinderhänden verloren!

Dabei stellt nicht das Saugen an den Malutensilien eine Gefahr dar sondern die Inhalation. Schon allein das nicht vermeidbare Einatmen beim Malen ist schädlich. Die Aufnahme der schädlichen Stoffe erfolgt über das bedruckte Blatt, sprich mit jedem Malstrich oder Stempelaufdruck, den Kinder auf einem vor sich liegenden Mal-Bogen anfertigen.

Auch wenn Tchibo die Stifte nicht mehr verkauft: Sie befinden sich im Umlauf und werden von Kindern verwendet. Unsere Experten raten dringend vor dem Benützen dieser Tchibo-Mal- und Stempelstifte mit der Artikel-Nr. 290474  ab!

Prüfgutachten von Tchibo

Auf ihre Rückfrage bei Tchibo erhielt die Leserin die Information, dass das Mal- und Stempelstifte-Set von einem akkreditierten und unabhängigen Prüfinstitut überprüft wurde. Zitat aus der Mail-Antwort der Tchibo-Kundenservicestelle: "Die gesundheitliche Unbedenklichkeit wurde bestätigt. Sie können somit sicher sein, dass in den Farben keine giftigen Bestandteile enthalten sind“. Lesen Sie auch die beiden Stellungnahmen von Tchibo auf den nächsten Seiten.

Gefahr durch Inhalieren

Das Ergebnis unserer chemischen Analyse zeigt: Die Stifte erfüllen zwar die in der derzeitigen Fassung der Kinderspielzeugverordnung vorgesehene Europäische Norm (EN) 71/9-11. Das bedeutet: Den Stift in den Mund zu nehmen und daran zu saugen ist laut Norm gesundheitlich nicht bedenklich. Eines jedoch zieht diese Art der Prüfung nicht in Betracht: die enorme Gefahr der Aufnahme über die Atemwege. Anders als beim Malen können Kinder mit der Stempelfunktion in relativ kurzer Zeit sehr große Oberflächen stempeln. Dabei atmen sie Lösungsmitteldämpfe ein.

Prüfnorm prüft das Falsche

Wenn also die Prüfnorm das eigentliche Anwendungsspektrum, hier das Stempeln und Malen, nicht wirklich abdeckt, so ist unserer Meinung nach zusätzlich eine sogenannte Baumusterprüfung durchzuführen. Im Rahmen dieser Prüfung ist im vorliegenden Fall eine Inhalationsanalyse erforderlich. Tchibo hat bei den Filzstiften mit Stempelfunktion durch die Prüfung nur die orale Aufnahme, nicht aber das Inhalieren einbezogen. Das Produkt ist somit entgegen der Auskunft der Kundenservicestelle an die Mutter gesundheitlich nicht unbedenklich.

Inhaltsstoffe sind giftig und gesundheitsschädlich

Die Stifte enthalten Ethanol und Cyclohexanon als Hauptkomponenten. Die weiteren Inhaltsstoffe sind Ethylacetat, Ethylbenzol, Xylol und 1,2-Dichlorethan - allesamt Stoffe, die der Gesundheit extrem schaden können! Bei den Substanzen Cyclohexanon und 1,2- Dichlorethan beispielsweise besteht der begründete Verdacht, dass sie krebserregend wirken. Xylol und Ethylacetat gelten als sogenannte Schnüffelstoffe, die beim Einatmen Schaden verursachen können. Da sich alle diese Stoffe kaum in Wasser lösen, werden die Grenzwerte der EU-Norm meist nicht überschritten.

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Kommentare

  • TÜV Rheinland? Da war doch was?
    von Malowan80 am 01.08.2013 um 23:28
    Tchibo beruft sich auf das Prüfzertifikat des TÜV Rheinland. Dieser TÜV hat auch die giftigen Brustimplantate des französischen Herstellers PIP zertifiziert. Das bedeutet natürlich noch lange nicht, dass der TÜV bei den Filzzstiften geschlampt hat, aber die Optik ist ungünstig. http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument/MagazinArtikel/Detail&cid=318883321513
Bild: VKI