KONSUMENT.AT - Ahnenforschung: Suche nach den Wurzeln - Namen: Entstehung und Änderungsgründe

Ahnenforschung: Suche nach den Wurzeln

Woher kommt mein Name?

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KONSUMENT 10/2020 veröffentlicht: 21.09.2020

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Namen ändern sich

Sorgfalt und viel Geduld ist auch bei der Rekonstruktion der Schreibweise der Namen vonnöten. Denn über die Jahrzehnte verloren Namen ihre Akzente, wurden mundartlich ausgesprochen und dann auch so geschrieben, es gab diverse Lautverschiebungen und es kam zu Namensveränderungen aufgrund von unleserlicher oder schludriger Schreibschrift. Mair wurde zu Meyer, Ilicˇ zu Illich, Berger zu Perger usw. Hier sind detektivisches Fingerspitzengefühl und viel Fantasie gefragt.

Hintergründe der Namensänderungen

Es handelt sich aber nicht immer um ­Abschreibe- oder Flüchtigkeitsfehler. Manchmal müssen Ahnenforscher tiefer in Themen wie Heimatkunde, Sozial-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte eintauchen, um solche Veränderungen nachvollziehen zu können. War es das eine Mal einfach eine Mode, Namen anders zu schreiben, so steckte das andere Mal vielleicht eine politische oder gesellschaftliche Entwicklung dahinter.

Ein Beispiel sind die sogenannten Donauschwaben, die im 2. Weltkrieg aufgrund ihrer deutschen Herkunft von ihren Höfen (etwa im ehemaligen Jugoslawien) vertrieben wurden. Die Namen wurden eingedeutscht, Akzente gingen dadurch verloren. Solche Informa­tionen sind vor allem für Ahnenforscher wichtig, die in einem ausländischen Archiv nach Verwandten suchen.

Richtige Suche in Matriken

Mitunter ist jedoch nicht die Schreibweise schuld, dass Ahnenforscher bei ihrer Namensuche in eine Sackgasse geraten -  manchmal sind einfach die Namen in den Matriken anders geordnet, als wir das heute gewohnt sind, erzählt der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Familien- und regionalgeschichtliche Forschung, Leopold Strenn: „Ich habe in einem Index nach dem Nachnamen Plach gesucht. Dass es eine phonetische Sortierung gibt, war mir nicht bewusst. Und zufällig suche ich dann einen Namen mit B beginnend und sehe, dass im Index Namen mit B und P, genauso wie C, G und K, als ein Buchstabe geführt werden. Das sind so typische ­Anfängererlebnisse.“

Kirchenbücher: Namenssuche im Index beginnen

Die meisten Kirchen­bücher – und diese sind oft die erste Anlaufstation für angehende Ahnenforscher – verfügen über einen Index, also ­eine Art Inhaltsverzeichnis. Diese Indizes sind entweder am Ende des Buches zu ­finden oder aber in eigenen Büchern zusammengefasst. Normalerweise sind die Familiennamen aufgeführt, in Heirats­büchern geht es nach dem Namen des Bräutigams. Man kann also im Index vorab nach einem Namen suchen und danach die richtige Seite (im Index meist als „fol.“ gekennzeichnet, also folio = Blatt) in den ­ent­sprechenden Matriken nachschlagen. Das spart mitunter viel Zeit.

Familienbeziehungen über Vornamen feststellen

Vornamen können auch mithilfe einer Patenanalyse verifiziert werden. Denn in früheren Zeiten war es oft üblich, dem Kind den Namen der Paten zu geben. Diese ­Angaben finden sich manchmal auf Geburtsurkunden und in den historischen Matriken. Sie helfen Ahnenforschern dabei, Familienbeziehungen zu ergründen oder sich näher mit der Herkunft diverser Verwandter zu beschäftigen.

Berufe, Eigenschaften, Orte, Vererbung

Weiterführende Recherchen führen Namensforscher auch in die Welt der Namensbedeutung. Beliebte Beispiele wie Müller oder Schneider entstanden aus Berufen, die ihre Träger aus­übten. In anderen Fällen ist die Namens­bedeutung eng verknüpft mit Eigenschaften. So kam es zu Nachnamen wie „Klein“ oder „Böse“. „Schiller“ kommt übrigens von „Schielender“. Andere Namen basieren auf Orten oder entstanden durch die Vererbung von Vornamen und das Anhängen der Silbe „sen“ für „Sohn“ (z.B. Jansen). Auch solche Informationen sind für Ahnenforscher von großem Wert.

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