Allergietests für Lebensmittel

Selbsttest sinnvoll oder nicht?

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KONSUMENT 12/2016 veröffentlicht: 24.11.2016

Inhalt

Sind Lebensmittelallergietests auf IgG-Antikörper sinnvoll?

Wir sagen: Ob erhöhte Spiegel von IgG-Antikörpern Hinweise auf eine Lebensmittelunverträglichkeit geben, ist umstritten. Studien dazu liefern keine eindeutigen Belege.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

Lebensmittelallergie ...

Lebensmittelallergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten werden immer häufiger diagnostiziert. Bei einer echten Allergie, etwa gegen Hühnereier, bildet der Körper Antikörper, sogenannte Immunglobuline vom Typ E (IgE). Diese können im Blut nachgewiesen werden. IgE-Antikörper lösen allergische Beschwerden wie starken Juckreiz, Kribbeln im Mund, Atemprobleme bis hin zum allergischen Schock aus.

... oder Nahrungsmittelunverträglichkeit

Nahrungsmittelunverträglichkeiten dagegen beruhen häufig auf Enzym-Mangel. Bei Milchzucker-Unverträglichkeit (Laktose-Intoleranz) etwa fehlt das Enzym Laktase im Dünndarm. Dadurch kann Milchzucker nicht aufgespalten werden. Nehmen die Betroffenen Milch oder Milchprodukte zu sich, sind Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall die Folge. Dass Unverträglichkeiten auf Lebensmittel existieren und teilweise schwere Probleme verursachen, ist unumstritten.

Testsets in Apotheke und Drogerie

Kontrovers diskutiert wird, ob sie auch durch Immunglobulin G ausgelöst werden können, wie vor allem Anhänger der Alternativmedizin glauben. In Drogerien und Apotheken sind Testsets erhältlich, mit denen erhöhte Immunglobulin-G-Spiegel im Blut nachgewiesen werden sollen.

Das Blut wird dabei auf Antikörper gegen bis zu 300 verschiedene Nahrungsmittel untersucht. Mit der Auswertung erhalten die Kunden eine Liste der Produkte, die sie künftig meiden sollen. Allergologen warnen jedoch vor solchen Tests: Sie weisen darauf hin, dass es bisher keinen eindeutigen Nachweis für eine IgG-vermittelte Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt.

Erhöhte IgG-Spiegel auch bei gesunden Menschen

Vielmehr sprechen Studienergebnisse dafür, dass der Körper IgG natürlicherweise bildet. Erhöhte IgG-Spiegel finden sich auch bei Menschen ohne Gesundheitsbeschwerden.

Hinzu kommt, dass IgG-Tests unerwünschte Folgen haben können: Schränken nämlich Menschen auf der Basis eines solchen Tests ihre Nahrungsmittelauswahl stark ein, kann es zu einer Mangelernährung kommen.

Kann schon das Konzept von IgG-Tests nicht überzeugen, stellt sich die Frage, ob damit Lebensmittel identifiziert werden könnten, die für bestimmte Beschwerden verantwortlich sind. Wir fanden zwei Studien, in denen dies an Patienten mit Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) untersucht wurde, sowie eine Studie an Patienten mit Reizdarmsyndrom. Alle Studien weisen so grobe Mängel auf, dass daraus keine Schlüsse gezogen werden können.

Lesen Sie mehr: www.medizin-transparent.at/nahrungsmittelallergie
 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

 

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