Amazon: Bewertungen und Rezensionen

Zu viele Bestnoten

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KONSUMENT 9/2014 veröffentlicht: 14.07.2014, aktualisiert: 07.11.2014

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PROBLEM Nr. 3: das Bewertungssystem

Unbestritten ist: Wenn viele Kunden bei der Frage "War die Rezension hilfreich?" auf den "Ja"-Button klicken, dann wird der Rezensent belohnt. Er oder sie klettert die Erfolgsleiter hinauf. Die Kehrseite: "Nicht hilfreich"-Bewertungen lassen den Rezensenten von dieser Leiter wieder etliche Sprossen hinabpurzeln.

Deshalb bewerten nicht wenige Rezensenten die Beiträge anderer systematisch negativ, völlig unabhängig von Art und Qualität der Rezension. Das geht auf Amazon völlig gefahrlos – man ist anonym. Amazon selbst weiß, wer wo draufklickt; der Verfasser der Rezension hingegen erfährt das nicht.

Bewertungskrieg

Welche absurden Formen und gar dramatischen Auswirkungen solche Bewertungskriege auf Amazon haben können, zeigt das Beispiel von Helga K. Sie ist mit rund 5.000 Rezensionen ein Amazon-Urgestein und längst in die "Hall of Fame" eingezogen.

Nächtlicher Telefonterror, übelste Drohungen

In ihrem Profil (Stand Juli 2014) schreibt sie: "Nach 5.000 Massenabklicks ..." – das sind die "Nicht hilfreich"-Bewertungen – "und abgründigen Mobbingthreads, nächtlichem Telefonterror, übelsten Drohungen, bin ich schwerst körperlich erkrankt und in ärztlicher Behandlung." - Ein extremes Beispiel, gewiss. Die "Abwahl-Rache" kann aber jeden Amazon-Kunden treffen.

Eine CD gut bewertet, die ein anderer Rezensent "abgrundschlecht" findet? Ein Buch kritisch rezensiert, das von einem anderen "förmlich verschlungen" wurde? Nie kann man sicher sein, dass jener mit der konträren Meinung nicht auch sämtliche anderen in der Vergangenheit abgegebenen Rezensionen als "Nicht hilfreich" bewertet, um auf diese kindische Art die Unfähigkeit des anderen zu untermauern. Kein Problem für den Bösewicht, schließlich sind wir ja anonym ... (Buchtipp: Ingrid Brodnig - "Der unsichtbare Mensch: Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert")

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
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Kommentare

  • Übersetzung von "Mascherl"
    von Greendaddy am 29.08.2014 um 10:41
    Nur der guten Ordnung halber für die Leser aus der Bundesrepublik nördlich des Mains: In diesem Zusammenhang finde ich die Übersetzung "Schleife" passender als "Fliege". Wie im Text erwähnt: In der Redewendungen "Rezensionen haben kein Hascherl" oder sehr gebräuchlich "Geld hat kein Hascherl" ist ein sichtbares Zeichen gemeint und nicht das Bekleidungsaccessoir. Wie zum Beispiel in "Haar-Mascherl". Das wäre dann die "Haar-Schleife" und keine "Haar-Fliege". (-
  • Verlage motivieren zu Eigen-Reviews
    von aschatt am 28.08.2014 um 13:04
    Vielleicht ein ergänzender Kommentar: Vor wenigen Jahren habe ich ein Buch bei einem der renommiertesten deutschen Wissenschaftsverlage veröffentlicht. Im Rahmen der Marketingmaßnahmen wurde mir vom Verlag dringen angeraten "Kollegen, Freunde und Bekannte" zu motivieren, mein Buch auf Amazon zu bewerten... Ich bin dem Ratschlag (wohl zu meinem eigenen Schaden) nicht gefolgt, gehe aber davon aus, dass dies eine systematische Vorgehensweise von Verlagen und anderen Produzenten ist. Anders gesagt: positive Kommentare auf Handels- oder Tourismus-Plattformen kann man getrost ignorieren, sie sind nahezu wertlos. Ich lese fast ausschliesslich die negativen Bewertungen zumindest jene, die konstruktiv und informiert wirken. Damit kann man eventuell einen Eindruck der möglichen Probleme und Nachteile des jeweiligen Produktes/Angebotes erahnen.
  • @ "Verifizierter Kauf"
    von NETclub50plus am 05.08.2014 um 21:45
    Diese Kennzeichnung ist nur recht beschränkt hilfreich: Wer eine Fake-Rezension beauftrag würde wohl den Preis für den Kauf der Ware mit in die Kalkulation für die "Werbemaßnahme" einbeziehen...
  • ´Verifizierter Kauf´
    von 39373 am 05.08.2014 um 13:14
    Seit einiger Zeit werden Rezensionen von Kunden, die ein Produkt auf amazon tatsächlich gekauft haben, entsprechend markiert, das ist wahrscheinlich die hilfreichste Möglichkeit, gefälschte Bewertungen zu erkennen, wobei es natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass jemand ein Produkt anderswo erstanden hat und die Beurteilung trotzdem ehrlich ist...
  • Love it!
    von chris1976 am 18.07.2014 um 15:13
    Im Fernsehen gab es dazu vor einiger Zeit einen Beitrag auf "Stern TV", der von denen beworbene Fake Musiker steht bis heute auf Amazon(plus unzählige Kommentare). http://www.amazon.de/Love-Rock-Prince-one/dp/B00JPJFCZ0/ref=cm_cr_pr_pb_t
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