Amazon: Bewertungen und Rezensionen

Zu viele Bestnoten

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KONSUMENT 9/2014 veröffentlicht: 14.07.2014, aktualisiert: 07.11.2014

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PROBLEM Nr. 2: die Rezensenten selbst

Unter manchen Rezensenten – wenn auch bei Weitem nicht unter allen – findet ein heftiges Gerangel um eine möglichst hohe Position in der Rezensenten-Hitparade statt; sie möchten unter die "Top Rezensenten". Wer hier aufscheint, hat Aussicht, von den auf Amazon anbietenden Firmen mit Gratis-Mustern versorgt zu werden - vom Lippenstift bis zum Hometrainer, von der Packerlsuppe bis zum Smart-TV.

"Gerne bespreche ich auch Ihr Produkt ..."

"Gerne bespreche ich auch Ihr Produkt ...", heißt es deshalb in Profilen (Selbstbeschreibungen) der daran interessierten Rezensenten sinngemäß. Das scheint oft so gut zu klappen, dass manche dieser Rezensenten offenbar unter Arbeitsüberlastung leiden und deshalb darum bitten müssen, "derzeit keine Rezensionsanfragen zu stellen" (Beispiel).

Man könnte das als modernes Schnorrertum im Internet-Zeitalter vernachlässigen. Aber wie objektiv fallen Produktbewertungen aus, wenn der Rezensent hofft, auch in Zukunft vom Anbieter mit Gratis-Ware versorgt zu werden? Der normale Amazon-Kunde erfährt in diesen Fällen nie, ob der Rezensent, dessen Besprechung er gerade liest und die vielleicht für einen Kauf entscheidend ist, das Produkt vom Hersteller oder Händler geschenkt erhielt.

Kaum möglich Spreu vom Weizen zu trennen

Die Listung unter den "Top Rezensenten" bedeutet keinesfalls, dass diese alle käuflich oder bestechlich wären. Viele haben einfach Spaß daran, Rezensionen zu schreiben, und opfern dafür viel Zeit. Das ist legitim und begrüßenswert. Der normale Kunde hat aber kaum eine Möglichkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Ein Blick in das Benutzerprofil eines Rezensenten kann hier Hinweise geben: Wird dort in der Selbstbeschreibung ("In eigenen Worten", am linken Rand der Seite) zur Überlassung von "Testprodukten" eingeladen UND finden sich in den konkret abgegebenen Bewertungen ganze Produktpaletten eines oder mehrere Hersteller, dann scheint eine gewisse Skepsis angebracht.

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Kommentare

  • Übersetzung von "Mascherl"
    von Greendaddy am 29.08.2014 um 10:41
    Nur der guten Ordnung halber für die Leser aus der Bundesrepublik nördlich des Mains: In diesem Zusammenhang finde ich die Übersetzung "Schleife" passender als "Fliege". Wie im Text erwähnt: In der Redewendungen "Rezensionen haben kein Hascherl" oder sehr gebräuchlich "Geld hat kein Hascherl" ist ein sichtbares Zeichen gemeint und nicht das Bekleidungsaccessoir. Wie zum Beispiel in "Haar-Mascherl". Das wäre dann die "Haar-Schleife" und keine "Haar-Fliege". (-
  • Verlage motivieren zu Eigen-Reviews
    von aschatt am 28.08.2014 um 13:04
    Vielleicht ein ergänzender Kommentar: Vor wenigen Jahren habe ich ein Buch bei einem der renommiertesten deutschen Wissenschaftsverlage veröffentlicht. Im Rahmen der Marketingmaßnahmen wurde mir vom Verlag dringen angeraten "Kollegen, Freunde und Bekannte" zu motivieren, mein Buch auf Amazon zu bewerten... Ich bin dem Ratschlag (wohl zu meinem eigenen Schaden) nicht gefolgt, gehe aber davon aus, dass dies eine systematische Vorgehensweise von Verlagen und anderen Produzenten ist. Anders gesagt: positive Kommentare auf Handels- oder Tourismus-Plattformen kann man getrost ignorieren, sie sind nahezu wertlos. Ich lese fast ausschliesslich die negativen Bewertungen zumindest jene, die konstruktiv und informiert wirken. Damit kann man eventuell einen Eindruck der möglichen Probleme und Nachteile des jeweiligen Produktes/Angebotes erahnen.
  • @ "Verifizierter Kauf"
    von NETclub50plus am 05.08.2014 um 21:45
    Diese Kennzeichnung ist nur recht beschränkt hilfreich: Wer eine Fake-Rezension beauftrag würde wohl den Preis für den Kauf der Ware mit in die Kalkulation für die "Werbemaßnahme" einbeziehen...
  • ´Verifizierter Kauf´
    von 39373 am 05.08.2014 um 13:14
    Seit einiger Zeit werden Rezensionen von Kunden, die ein Produkt auf amazon tatsächlich gekauft haben, entsprechend markiert, das ist wahrscheinlich die hilfreichste Möglichkeit, gefälschte Bewertungen zu erkennen, wobei es natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass jemand ein Produkt anderswo erstanden hat und die Beurteilung trotzdem ehrlich ist...
  • Love it!
    von chris1976 am 18.07.2014 um 15:13
    Im Fernsehen gab es dazu vor einiger Zeit einen Beitrag auf "Stern TV", der von denen beworbene Fake Musiker steht bis heute auf Amazon(plus unzählige Kommentare). http://www.amazon.de/Love-Rock-Prince-one/dp/B00JPJFCZ0/ref=cm_cr_pr_pb_t
Bild: VKI