KONSUMENT.AT - Anleihen - Kosten, Komplexität, Anteil am Portfolio

Anleihen

Geldanlage in der Krise

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veröffentlicht: 19.01.2015, aktualisiert: 06.07.2017

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Kosten

Beim Kauf und Verkauf von Anleihen fallen Gebühren an, die vom Kurswert oder vom Nennwert berechnet werden. Dazu kommen Depotkosten für die Führung des Wertpapierkontos. Die meisten Banken sehen Mindestgebühren vor, die sich umso kräftiger auswirken, je kleiner der investierte Betrag ist. Daher empfehlen wir Veranlagungen in Anleihen erst ab einem Betrag von mindestens 4.000 Euro. Sonst fressen die Kosten gleich einen Großteil der Rendite weg. Das sollte übrigens generell bei Zinsvergleichen berücksichtigt werden.

Im direkten Vergleich mit anderen Sparformen wirken die über Anleihen beworbenen Zinssätze nämlich oft recht attraktiv. Zieht man allerdings alle Kosten ab und behält man das deutlich höhere Risiko mancher Anleihen im Auge, relativieren sich die deutlich höheren Zinsversprechen oft rasch. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass auch Gewinne aus Wertpapiergeschäften mit 25 % KESt endbesteuert werden. Das heißt: niemals Nominalzinssätze vergleichen, sondern immer die zu erzielende Rendite im Verhältnis zum Risiko. Der Nominalzinssatz sagt nichts über die erzielbare Rendite aus, man sollte sich davon also nicht blenden lassen!

Beispiel: Eine Bank bietet für ein Sparbuch mit rund fünf Jahren Bindung 1,5 % Verzinsung. Das ergibt nach Abzug der 27,5-prozentigen KESt einen Ertrag von 1,088 % pro Jahr. Gleichzeitig wird im selben Institut die Anleihe eines großen heimischen Baukonzerns angeboten: Restlaufzeit 4,5 Jahre, jährlicher Zinssatz 4,75 %, aktueller Kurs 110 %.

Nach Abzug der Kapitalertragsteuer vom jährlichen Zinsertrag, der jährlichen Depotgebühr und den Kosten für das Verrechnungskonto ergibt sich im Endeffekt ein Ertrag von 1 % pro Jahr. Die Sache hätte auch noch schlechter ausgehen können: Wäre das Unternehmen in den fünf Jahren in die Insolvenz geschlittert, wäre das investierte Geld möglicherweise ganz weg gewesen, da es sich um eine nachrangige Anleihe handelte. Viel Risiko also für wenig Ertrag.

Liquidität

Je nach Emittent und Anleihe liegt die Laufzeit zwischen einem und 30 Jahren. Selbst lang laufende Anleihen können aber in der Regel jederzeit veräußert werden. Die Frage ist dann allerdings, zu welchem Kurs. Herrscht gerade geringe Nachfrage nach dieser Anleihe oder generell nach Anleihen, kann sie einen erheblichen Verlust einfahren.

Komplexität, Handhabung, Bequemlichkeit

Anleihen werden am Ende der Laufzeit automatisch zum festgelegten Tilgungspreis zurückgezahlt. Auch die Zinszahlungen und der Abzug der KESt erfolgen automatisch durch das Bankinstitut. Insofern ist man als Anleger nicht sehr gefordert. Wichtiger und komplexer sind allerdings die Vorarbeiten: Zunächst ist ein Wertpapierdepot notwendig. Wer eine Anleihe über eine Bank bezieht, wird hier entsprechende Hilfe erhalten. Und wenn man mehr als die erstbeste, vom Berater vorgeschlagene Fixzinsanleihe möchte, muss man sich über die verschiedenen Anleihetypen und Ausgestaltungsmerkmale kundig machen. Bei Anleihen, die nicht in Österreich emittiert wurden, ist möglicherweise eine Rückforderung der Quellensteuer notwendig.

Mindestveranlagung

Bei den meisten Anleihen beginnt die Stückelung ab 500 bis 1.000 Euro. Aufgrund der anfallenden Transaktions- und Depotgebühren ist aber empfehlenswert, nicht unter 4.000 Euro einzusteigen. Wer sich mit kleineren Beträgen an Wertpapieren beteiligen will, ist eventuell mit einem Fondssparplan besser beraten.

Anteil am Portfolio

Anleihen können auf bis zu 40 % der Geldanlage anwachsen. Allerdings sollte dabei nicht nur auf ein Papier gesetzt, sondern eine möglichst breite Streuung von sicher bis riskanter angestrebt werden – mit anwachsendem Anleihensortiment auch unterschiedliche Typen (fix verzinsliche und Floater, Pfandbriefe und Wandelanleihen usw.).

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