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Autohersteller im Ethik-Test

Sozial auf der Kriechspur

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Konsument 4/2004 veröffentlicht: 19.03.2004

Inhalt

Autohersteller im Ethiktest

So wurde erhoben

Der Ethik-Test erfolgte im Auftrag des VKI und einer Reihe weiterer europäischer Verbraucherverbände. Durchgeführt wurde er von Stock at Stake , der Research-Agentur der belgischen Non-Profit-Organisation Ethibel . Stock at Stake ist spezialisiert auf die Prüfung und Beratung in allen Belangen der gesellschaftlichen Verantwortlichkeit von Unternehmen. Untersucht wurden 15 Unternehmen, die die in Europa wichtigsten Automarken repräsentieren (Marktabdeckung in Österreich 92 %). Nicht immer gelten die Unternehmensangaben für alle zum Konzern gehörigen Marken; so hat beispielsweise Skoda ein anderes CSR-Konzept (CSR – Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen) als die VW-Gruppe, Volvo unterscheidet sich von seinem Mutterkonzern Ford, Chrysler von Mercedes etc.

Die Erhebung erfolgte in drei Schritten:

  1. Sammeln von Informationen aus dem Unternehmen mittels Fragebogen, Dokumenten und öffentlicher Berichte.
  2. Unternehmensunabhängige Quellen waren Gewerkschaften, Nachrichtenmedien, NGOs und einschlägige Websites.
  3. Die Ergebnisse der Erhebung wurden den Unternehmen zur Stellungnahme übermittelt, relevante Reaktionen wurden in den Endbericht eingearbeitet.

Grundsätzlich bezieht sich die Untersuchung nur auf den Unternehmensbereich Pkw-Produktion, andere Bereiche (Lkw, Luftfahrt, Logistik etc.) wurden außer Betracht gelassen.

Die Untersuchungsergebnisse wurden in 10 Indikatoren dargestellt: 4 aus den Bereichen Umwelt, 4 für Soziales und 2 für Informationsoffenheit (Transparenz). Die Bewertung erfolgte in drei Stufen:

  • A: wenn die jeweils definierten Bedingungen erfüllt werden
  • B: für eine teilweise Erfüllung
  • C: bei Nichterfüllung

Zu beachten ist: Gegenstand der Untersuchung bilden vor allem die Unternehmenspolitik und Managementsysteme zu deren Umsetzung. In welchem Maß die Zielsetzungen des Unternehmens in der Praxis wirklich erreicht werden, kann nur zum Teil überprüft werden. Die Bewertung A bedeutet lediglich, dass das Unternehmen in diesem Punkt besser als die meisten seiner Mitbewerber abschließt, aber nicht, dass dies absolut gesehen als gut oder auch nur akzeptabel bezeichnet werden könnte.

Waren die Informationen nicht ausreichend oder nicht eindeutig, wurde keine Bewertung vorgenommen. Aus den Einzelbewertungen wurden Gruppenurteile und ein Gesamturteil für Unternehmensethik errechnet. Abwertung: Bei Bewertung C in einem Einzelkriterium kann das Gesamturteil nicht besser als B sein.

Definition der Kriterien

Im Einzelnen wurden die Bewertungen wie folgt definiert:

UMWELT

Umweltzertifizierung (Managementsystem)

  • A: Mehr als 75 Prozent der gesamten Produktion unterliegen einer externen Zertifizierung nach internationalen Standards.
  • B: Mehr als 50 Prozent extern zertifiziert.
  • C: Weniger als 50 Prozent extern zertifiziert.

Überprüfung (Zertifizierung) der Zulieferbetriebe

  • A: Mehr als 50 Prozent der Zulieferer werden extern zertifiziert bzw. mehr als 66 Prozent werden vom Unternehmen selbst überprüft (Unternehmensaudit).
  • B: Mehr als 25 Prozent externe Zertifizierung bzw. mehr als 33 Prozent Unternehmensaudit.
  • C: Es gibt bestenfalls eine freiwillige Selbstverpflichtung oder Selbstkontrolle der Zulieferbetriebe.

Produktion (Umweltperformance)

  • A: Die Umweltmaßnahmen und -initiativen werden in quantitativer Hinsicht und auch im Hinblick auf ihre Vielfältigkeit in Summe als über dem Branchendurchschnitt liegend bewertet.
  • B: Umweltaktivitäten sind durchschnittlich.
  • C: Umweltaktivitäten sind unterdurchschnittlich.

Auflagen an Händler

  • A: Den Händlern (zumindest im Stammland) werden Umweltanforderungen auferlegt.
  • B: Effiziente Maßnahmen in Kooperation mit den Händlern auf freiwilliger Basis.
  • C: Keine Aktivitäten gegenüber den Händlern.

SOZIALES

Sozialleistungen in Industrieländern (in den unternehmenseigenen Werken im Stammland bzw. in anderen Industrieländern)

  • A: Über dem Branchenschnitt
  • B: Durchschnittlich
  • C: Unter dem Branchenschnitt

Mindeststandards in Niedriglohnländern (Arbeitsbedingungen in Ländern mit niedrigem Sozialstandard = in der „Dritten Welt“)

  • A: Das Unternehmen verpflichtet sich zur Einhaltung aller 8 ILO-Konventionen über Arbeitnehmerrechte inklusive Gesundheit und Sicherheit.
  • B: Einige der 8 ILO-Konventionen werden berücksichtigt.
  • C: Es gibt keine entsprechende Sozialpolitik.

Auflagen an Zulieferbetriebe

  • A: Die Zulieferbetriebe werden zur Einhaltung eines Verhaltenskodex verpflichtet, der alle 8 ILO-Konventionen über Arbeitnehmerrechte inklusive Gesundheit und Sicherheit enthält.
  • B: Der Verhaltenskodex enthält einige der 8 ILO-Konventionen.
  • C: Ein (allfälliger) Verhaltenskodex enthält keine der 8 ILO-Konventionen.

Überprüfung der Zulieferbetriebe

  • A: Die Einhaltung des Verhaltenskodex wird extern (durch einen unabhängigen Dritten) überprüft (third party assessment).
  • B: Die Einhaltung des Verhaltenskodex wird durch das Unternehmen selbst überprüft (second party assessment).
  • C: Falls überhaupt, nur freiwillige Selbstverpflichtung oder Selbstkontrolle des Betriebes (first party assessment).

INFORMATIONSOFFENHEIT

Fragebogen ausgefüllt (Kooperationsbereitschaft)

  • A: Das Unternehmen hat die meisten Fragen – detailliert – beantwortet.
  • B: Das Unternehmen hat nur grobe Angaben zu den meisten Fragen gemacht bzw. nur einen Teil der Fragen beantwortet bzw. zu spät reagiert.
  • C: Das Unternehmen hat an der Befragung nicht teilgenommen und auch keine sonstigen Informationen zur Verfügung gestellt.

Berichterstattung

  • A: Ausführlichkeit und Reichweite der öffentlich zugänglichen Berichte über soziale und/oder Umweltaspekte können als gut bezeichnet werden.
  • B: In Bezug auf Ausführlichkeit und/oder Reichweite Durchschnitt.
  • C: In Bezug auf Ausführlichkeit und/oder Reichweite schlecht.

Bewertung

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