KONSUMENT.AT - Bahnfahren: Beschwerden - Preisbildung der ÖBB bleibt Geheimnis

Bahnfahren: Beschwerden

Endstation Schienen-Control

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KONSUMENT 1/2015 veröffentlicht: 23.12.2014

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Geheimwissenschaft Ticketpreis

Mit der Einführung des Handbuchs wechselten die ÖBB auch vom Kilometer-Tarif zu ­Relationspreisen. Wie der Relationspreis ­zustande kommt, bleibt unklar. Die ÖBB auf Anfrage: „Die Preise der Standard-Einzel­tickets sind primär von der Entfernung abhängig.“ Auf die Nachfrage, was denn dann "sekundär“ auch noch die Preisbildung beeinflusse, blieben die ÖBB verschlossen: "Die Details unserer Preisbildung legen wir aus Wettbewerbsgründen nicht offen.“

Informationsgewinn: null

Für die Schienen-Control genügte das offenbar nicht der gesetzlich verankerten Pflicht zur Kundmachung der Tarife und sie verlangte, den Tarif wieder in einer Tabelle nach­schlagbar zu machen. Die ÖBB kamen dem Wunsch der Schienen-Control GmbH nach. Das Ergebnis dieser Wunscherfüllung sind 23 PDF-Dokumente mit rund 100.000 Seiten und rund 3,5 Millionen Relationen – immerhin alphabetisch geordnet –, die der Fahrgast durchblättern kann ( www.oebb.at > Services > Tarifbestimmungen > Relationspreise). Darin können die Ticketpreise 1. und 2. Klasse, wie sie auch die elektronische Fahrplanauskunft Scotty auswirft, für alle Strecken (Startbahnhof–Zielbahnhof) in Österreich nachgelesen werden. Informationsgewinn: null.

Westbahn-Kilometerbank

Mittlerweile taucht auch die Westbahn GmbH öfter unter den Beschwerden an die Schlichtungsstelle auf. Vor allem, weil sie ­ihre Kilometerbanken, mit denen ein Kilometerguthaben gekauft wird, en passant entwertet hat.

Walter H. stellte Ende Februar 2014 fest, dass ihm von seiner Westbahn-Kilometerbank für die Fahrt Amstetten–­Wien-Westbahnhof statt der üblichen 126 km auf einmal 140 km abgebucht worden ­waren. Sind Amstetten und Wien plötzlich auseinandergedriftet, fragte er sich und die Westbahn verwundert. Die Westbahn belehrte ihn, dass es sich bei ihren Kilometerbanken um Tarifkilometer handle, die keine Maßeinheit, sondern eine Zahlungseinheit der Westbahn darstellten, welche nicht mit den tatsächlichen Streckenkilometern korreliere.

Klage gegen Westbahn

Die Schienen-Control wollte diese Entwertung bereits gekaufter Guthaben nicht einfach hinnehmen und initiierte ein aufsichtsbehördliches Verfahren. Mittlerweile wurde eine Verbandsklage vor dem Handelsgericht Wien eingebracht.

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