KONSUMENT.AT - Crashtest Minivans - Crashtest Minivans

Crashtest Minivans

Die Schwächen der Großen

Seite 2 von 8

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 7/1999 veröffentlicht: 01.07.1999

Inhalt

Bestnote nur für 2
von 12 Modellen

Klar voran liegen Renault Espace und Toyota Picnic. Sie erzielten im Euro-NCAP-Rating die Bestwertung: jeweils vier Sterne. Klar abgeschlagen landeten dagegen Opel Sintra und Chrysler Voyager in den hinteren Rängen. Auffallend sind die relativ schlechten Ergebnisse im Frontalcrash, während beim Seitenaufprall nur gute Noten verteilt wurden. Und das, obwohl nur ein einziges Modell mit Seitenairbags ausgestattet ist (Opel Sintra).
Die Erklärung dafür liegt in den Testbedingungen begründet. Beim Frontalaufprall wird das Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 64 Stundenkilometer mit 40 Prozent Überlappung gegen ein feststehendes Hindernis getrieben. Der Effekt ist der gleiche wie bei einem Frontalzusammenstoß zwischen zwei gleich schweren Fahrzeugen. Anders beim Seitencrash: Nach den EU-Bestimmungen wird eine bewegliche Barriere mit definierten Abmessungen (30 cm Bodenfreiheit) gegen die Fahrerseite des Fahrzeuges gelenkt – Aufprallgeschwindigkeit 50 km/h. Minivans profitieren dabei von der höheren Sitzposition des Fahrers, die seitlich eindringende Barriere kann dem Crash-Dummy weniger anhaben als in einem konventionellen Pkw. Der Fahrer sitzt über der Barriere, sodaß die Kräfte vom Insassen weggelenkt werden. Der Seitencrashtest entspricht somit einer Unfallsituation, in dem ein Minivan mit einem konventionellen Pkw verwickelt ist. Würde der Minivan von einem ebenso hohen Fahrzeug getroffen oder gegen einen Baum geschleudert werden, wäre das Verletzungsrisiko mit Sicherheit höher.
Das gilt es zu berücksichtigen. Die vorwiegend grün eingefärbten Männ-chen beim Seitenaufprall (die ein „sehr geringes Verletzungsrisisko“ symbolisieren) sind nicht einem besonders ausgefeilten Sicherheitsdesign der Automobilkonstrukteure zu verdanken, sondern schlicht und einfach der höheren Sitzposition im Vergleich zum definierten Unfallgegner. Das zeigt einmal mehr, daß Quervergleiche von Crashtests problematisch sind. Vier Sterne im Minivantest sind nicht vergleichbar mit vier Sternen beim letzten Crashtest, bei dem Kompaktautos getestet wurden. Einen Vergleich innerhalb der eigenen Klasse müssen sich die Testkandidaten jedoch sehr wohl gefallen lassen. Und beim Frontalcrash traten deutliche Unterschiede zutage, obwohl es sich bei fast allen Minivans um Fahrzeuge der jüngeren Generation handelt, die zu einem Zeitpunkt eingeführt wurden, zu dem passive Sicherheit kein Fremdwort mehr gewesen sein kann. Nur der Serena von Nissan fällt da etwas aus dem Rahmen, ihn gibt es bereits seit 1990.