Klangdesign

Musik der Motoren

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Konsument 2/2000 veröffentlicht: 01.02.2000

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Besuch im „Topsecret“-Labor

Der AVL-Firmenkomplex nahe des Grazer Bahnhofes, eine Mischung aus alten Fabriksgebäuden und modernen, in blau gehaltenen Bürotürmen, ist eine Festung. Betreten ist nur mit Genehmigung und einer Chipkarte möglich, die nicht einmal den AVL-Mitarbeitern alle Türen öffnet. Dr. Martin Pflüger, Akustikleiter für Nutzfahrzeuge und Industriemotoren, erklärt warum: „Was hier erforscht und entwickelt wird, ist weltweit topsecret. Prototypen werden in unscheinbaren LKWs in eine Halle gebracht und dort für die Außenwelt unsichtbar entladen. Würde ein Foto eines so genannten Erlkönigs von hier aus um die Welt gehen, wäre das ein schwerer Schaden für unser Unternehmen, das weltweit 2500 Mitarbeiter beschäftigt.“
Der promovierte Elektro- und Tontechniker unterrichtet nebenbei Psychoakustik an der Grazer Universität. Und er weiß: Vieles, was wir als natürliche Geräusche empfinden, wurde künstlich gestaltet. Etwa das Krachen von Kartoffelchips beim Zerbeißen. Kein Zufall daher, dass dieses Geräusch ein wichtiger Bestandteil der Werbespots ist. Oder das Schließgeräusch von Waschmaschinen: „Da darf nichts scheppern oder krachen, es muss so klingen, wie wenn hochwertige Materialien ineinander greifen. Ein Staubsauger wiederum darf nicht zu leise sein, sein Geräusch muss vermitteln, dass er kräftig saugt. Hört sich ein Rasierapparat im Geschäft so an, dass er gut rasiert, kauft man ihn.“

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