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Klangdesign

Musik der Motoren

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Konsument 2/2000 veröffentlicht: 01.02.2000

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Lauschangriff auf Prototypen

„Die Rolle“ ist ein Tonstudio von der Größe einer Lagerhalle, zur totalen Schallisolierung mit Schaumstoff ausgekleidet. Die gesamte Halle ist auf Federn gelagert, um Vibrationen von außen zu verhindern. Im Zentrum der Halle steht ein Auto auf vier breiten Rollen, jede einzeln steuerbar, um jede Fahrsituation zu simulieren, von der Autobahn bis zur Bergstraße. Am Fahrersitz ist ein Kunstkopfmikrofon montiert, ein nachgebauter menschlicher Kopf mit Mikrofonmembranen statt der Trommelfelle. Eine Mikrofonreihe am Rand der Halle kann mittels Computer das Vorbeifahrgeräusch simulieren.
„Die Rolle“ ist einer der Topsecret-Bereiche von AVL, denn hier geschieht der Lauschangriff auf die streng geheim gehaltenen Prototypen. Natürlich ist der Mensch das Maß aller Gehöreindrücke. Deshalb fahren Testpersonen in verschiedenen Autos mit und notieren ihre Eindrücke in einer Liste. Da Auge und die Vorliebe für bestimmte Marken das Ohr des Testers gehörig beeinflussen können, gibt es das Psychoakustiklabor: eine Art Tonstudio, wo die Testpersonen die vom Kunstkopfmikrofon aufgenommenen Geräusche beurteilen, ohne die Autotype zu kennen.
Aus dieser Kombination von subjektiven Eindrücken und objektiven Messdaten erstellt der Computer „Formeln“ (sogenannte Algorithmen) für Klangeindrücke (Lästigkeit, Lautheit, Sportlichkeit usw.), mit denen zum Beispiel ein Lästigkeitswert in absoluten Zahlen errechnet wird, etwa 3,4 auf der zehnteiligen Skala. Jetzt fängt die eigentliche Tüftelei erst richtig an: Die einzelnen Elemente im Fahrzeug müssen so verändert werden, bis das gewünschte Klangbild entsteht.

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