Minivans

Packesel für Familien

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Konsument 5/1999 veröffentlicht: 01.05.1999

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Die Grenzen der Vielseitigkeit

Geringe Unterschiede gibt es beim Sitzkomfort. In der dritten Reihe ist er naturgemäß etwas schlechter, wo vor allem im Ford Galaxy und im Toyota die Kopffreiheit bemängelt wird. Bei Fiat und Renault wiederum wird die schlechte Zugänglichkeit zur letzten Sitzreihe kritisiert. Positiv wurden die Sitze mit integriertem Kindersitz bewertet, die es bei Ford/VW/Seat gegen Aufpreis gibt: Das Rückhaltesystem für Kinder zwischen neun Monaten und vier Jahren ist leicht zu bedienen. Die Benützung des Sitzes durch Erwachsene wird durch die Kinderrückhalteeinrichtung nicht beeinträchtigt.

Wie im Wohnzimmer

Manchmal scheint die Vielseitigkeit der Minivans auch überzogen zu werden. So sind Fiat, Ford und Renault mit drehbaren Vordersitzen ausgestattet. Das soll ein Wohnraum- oder Konferenzraumambiente schaffen: Vier Leute sitzen im Kreis, ein umgelegter Sitz in der Mitte fungiert als Tisch. Der Fußraum für die vier ist stark begrenzt, der kleine Tisch bietet gerade Platz für vier Trinkbecher. Man mag sich fragen, welche Manager sich in einen Minivan zwängen werden, um darin auf einem Autobahnrastplatz eine Konferenz abzuhalten.
Dagegen zeigen sich die Hersteller bei selbstverständlichen Ausstattungsfeatures recht knausrig. So ist die Laderaumabdeckung oft nur gegen Aufpreis erhältlich; und mit gut 3500 Schilling für ein Stück Stoff auch nicht gerade wohlfeil.

Geringerer Verbrauch

Ein wichtiges Argument für Dieselfahrzeuge ist der geringe Verbrauch. Wobei zu den Prospektangaben erfahrungsgemäß ein Liter dazu gerechnet werden müßte. Dennoch: Im Gesamttestdurchschnitt hat kein Modell viel mehr als neun Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Klar voran liegt Ford Galaxy (baugleich mit VW Sharan und Seat Alhambra) mit dem bewährten Turbodieselaggregat des VW Passat: nur 7,5 Liter.
Enttäuschend sind die Ergebnisse der Abgasmessung. So werden Dieselautos ihr Image als Stinker nicht loswerden. Gerade die europäischen Hersteller haben die Rußpartikelemissionen einfach nicht im Griff. Selbst bei einer Umgebungstemperatur von 25 Grad werden die (IT-)Grenzwerte überschritten. Daß es geht, zeigt der Musterknabe aus Japan: Der Picnic bleibt auch bei null Grad unter den Grenzwerten.

Gute Motoren

Motorisch können sich die Minivans trotz ihres relativ hohen Gewichts durchaus sehen lassen. Die Turbodieselmaschinen mit einer Leistung zwischen 80 und 85 kW (109 bis 116 PS) verfügen für ihren Einsatzbereich (Familienwagen) über ausreichende Kraftreserven. Zu erwähnen ist, daß für Ford und Fiat auch schwächere Versionen (rund 90 PS) angeboten werden, die nicht getestet wurden. Wieder etwas aus der Reihe fällt Toyota Picnic. Seine 2,2-Liter-Maschine kommt zwar nur auf 90 PS, kann aber mit den stärkeren durchaus mithalten. Das Leichtgewicht unter den Minivans kann den um rund 450 Kilogramm schwereren Chrysler auf den letzten Platz in der Motorwertung verweisen.

Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo