KONSUMENT.AT - Navigationssystem: falsche Angaben - Von der Vermessung der Welt auf Amerikanisch

Navigationssystem: falsche Angaben

Kommentar von Gernot Schönfeldinger

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KONSUMENT 9/2020 veröffentlicht: 25.06.2020

Inhalt

Was hilft das Jammern über das technologische Hinterherhecheln Europas, wenn die anderen durch die gebotenen Leistungen überzeugen?

Richtig und doch falsch

Mein Auto hat ein Navi mit großem Display, angenehmer Stimme und verständlicher Bedienung. Punktgenau leitete es mich zum Bahnhof einer Kleinstadt. Auch meine Bekannte stand am Bahnhof des adretten Städtchens und wartete. Trotzdem konnten wir einander nicht finden. Ein kurzer Blick in Google Maps am Smartphone bestätigte den Verdacht, dass wir uns zwar im selben Ort, aber nicht am selben Platz befanden. Konkret waren wir 700 Meter Luftlinie voneinander entfernt, und was mein Navi ohne weiteren Namenszusatz als Bahnhof bezeichnete, war die Endstation einer Lokalbahn und nicht die Haltestelle von ÖBB-Zügen.  

Exakt vermessen

Dass man Navis niemals zu hundert Prozent trauen darf, wusste ich aufgrund früherer Erfahrungen. Dass nicht bei jedem Gerät die Zielführung in gleicher Weise zuverlässig erfolgt, war mir ebenfalls klar. Selbst den Tücken bei der Eingabe von Straßennamen bin ich bereits begegnet, wobei es dann mitunter auf jeden Punkt und Bindestrich ankommt.

Ich wäre ja sogar bereit, den einen oder anderen Fehler nachzusehen, wäre da nicht diese Mischung aus Frustration und Ärger darüber, dass ein US-Konzern unsere Welt am exaktesten vermessen und beschriftet hat. Aber was hilft das Jammern über das technologische Hinterherhecheln Europas, wenn die anderen durch die gebotenen Leistungen überzeugen und Millionen Menschen diese selbstverständlich zu ihrem Vorteil nutzen? Der anhaltende Erfolg des viel kritisierten Online-Händlers Amazon ist ein weiteres Beispiel. Und dabei habe ich den eigentlichen Technologiegiganten China noch gar nicht erwähnt.  

Keine Lust auf Frust

Da ich nicht vorhabe, den Zustand von Frustration und Ärger beizubehalten, werde auch ich in Zukunft eher zum Navi mit der höheren Zuverlässigkeit greifen. Zum Glück habe ich als Alternative eine Smartphone-App mit europäischem Kartenmaterial, von der ich sehr überzeugt bin. Und dank außereuropäischer Technologie kann ich sie sogar reibungslos mit dem Bordcomputer meines Autos verbinden!

VKI-Experte Gernot Schönfeldinger

 


Dieses und viele weitere Themen finden Sie auch in meinem Technik-Blog unter: VKI-Blog: Technik-Spielplatz

 

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