KONSUMENT.AT - Smart Kid Belt - Kein Ersatz für Kindersitz

Smart Kid Belt

Gurtsystem birgt Verletzungsrisiko

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KONSUMENT 11/2020 veröffentlicht: 24.09.2020

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Unser Schnelltest zeigt: Das Zusatzgurtsystem Smart Kid Belt ist kein Ersatz für einen Kindersitz. Wir warnen davor, das Produkt zu verwenden.

Wir warnen vor dem Smart Kid Belt - ein Zusatzgurtsystem für das Auto (Foto: Konsumentenbond)

Tests zeigen eklatantes Verletzungsrisiko 

Kinder bis 14 Jahre mit einer Körpergröße von unter 135 cm müssen bei Autofahrten mit einem geeigneten Kinderrückhaltesystem gesichert werden. Ein zwar zugelassenes, aber unserer Meinung nach nicht geeignetes Kinderrückhaltesystem ist der „Smart Kid Belt“, den Eltern auch in Österreich via Internet bestellen können. Gemeinsam mit internationalen Partnerorganisationen haben wir dieses Gurtsystem getestet. Das Ergebnis ist eindeutig: Das System setzt Kinder einem erheblichen Verletzungsrisiko aus. Wir warnen entsprechend davor, den Smart Kid Belt zu verwenden.

Zusatzgurtsystem von polnischem Anbieter

Was ist dieser Smart Kid Belt überhaupt genau? Ein Zusatzgurtsystem, das, laut dem polnischen Anbieter Smart Kid Wir warenen vor dem Smart Kid Belt - ein Zusatzgurtsystem für das Auto (Foto: Konsumentenbond) S.A., den Kindersitz im Auto ersetzen und die Kinder bei einem Unfall zuverlässig sichern soll. Das Prinzip klingt praktisch: Ein Zusatzgurt, der den regulären Sicherheitsgurt des Autos auf die Körpergröße des Kindes anpasst. Auf der Homepage des Anbieters steht: „Der Smart Kid Belt sorgt für eine gute Führung des Beckengurtteils und der Schulterteil passt sich dem Körperbau des Kindes automatisch an.“ Und das soll den Kleinen genauso viel Schutz bei einem Unfall bieten, wie der reguläre Sicherheitsgurt den Erwachsenen. Der Anbieter empfiehlt das System für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren bzw. von 15 bis 36 kg.

Erhebliche Verletzungsgefahr beim Frontalaufprall mit 64 km/h

Uns hat das stutzig gemacht und wir wollten es genau wissen! Die Tests des Zusatzgurtsystems, beim ADAC mit einem Dummy in der Größe eines sechsjährigen Kindes durchgeführt, zeigten eklatante Sicherheitsrisiken. Beim Frontalaufprall mit 64 km/h schnitt der Beckengurt tief in den Bauch des Dummys ein – bei einem Kind hätte das schwere innere Verletzungen zur Folge. Ferner hält das System den oberen Fahrzeuggurt nicht vom sensiblen Nackenbereich der Kinder fern. Auch hier drohen bei einem Unfall schwere Verletzungen.

Kein Schutz beim Seitenaufprall

Bei einem Seitenaufprall bietet der Smart Kid Belt zudem keinerlei Schutz (selbiges gilt für jeden Kindersitz ohne Rückenlehne). Zusammengefasst bietet er keine Verbesserung zur gesetzlich verbotenen Sicherung von Kindern ohne Kindersitz – eine glatte Themenverfehlung. Warum der Smart Kid Belt eine Genehmigung der polnischen Zulassungsbehörde bekommen hat, ist schwer nachzuvollziehen (die Genehmigung gilt automatisch EU-weit, somit auch für Österreich). Der Anbieter zeigt sich übrigens, von einer unserer Partnerorganisationen auf die haarsträubenden Testergebnisse angesprochen, uneinsichtig. Diese seien für ihn nicht nachvollziehbar.

Sichere Kindersitze und Babyschalen im Autokindersitze-Extra

Wer sichere Kindersitze und Babyschalen sucht, wird in unserem Autokinder-Sitze-Extra  fündig: Im dort eingebetteten Produktfinder können registrierte Abonnenten mehr als 230 Autokindersitze miteinander vergleichen. Am 20.10. veröffentlichen wir die nächste Tranche unserer fortlaufenden Testreihe.

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