Winterdiesel: Frostschutz im Tank

3 Proben nicht kältefest

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KONSUMENT 1/2013 veröffentlicht: 05.12.2012

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Winterdiesel sollte bis minus 20 Grad kältefest sein. Nicht alle der von uns besuchten 58 Tankstellen haben diese Hürde geschafft.

Lesen Sie auch unsere Artikel Spritkosten: Sparen an der Tankstelle 8/2012, Biosprit 11/2012 und Kunde König: Spritpreise 8/2012


Immer wenn der Winter ins Land zieht, freuen sich die Skifahrer – und die Halter von Dieselfahrzeugen fürchten sich: Müssen sie nach einer Frostnacht damit rechnen, ihr Auto nicht mehr starten zu können? Dabei sollte das dank Winterdiesel kein Problem sein. Dafür gibt es klare gesetzliche Bestimmungen: Laut Kraftstoffverordnung darf in der Zeit von 1. November bis Ende Februar nur Dieselkraftstoff angeboten werden, der bis minus 20 Grad Celsius möglichst funktionstüchtig bleibt.

Winterdiesel: Frostschutz im Sprit

Winterdiesel reduziert das Ausflocken von Paraffinen bei niedrigen Temperaturen. Diese Paraffinkristalle bilden sich in Kraftstoffleitungen und können den Kraftstoff-Filter verstopfen. Die Zugabe spezieller Additive bzw. die Reduktion des Paraffinanteils soll dies verhindern, die Filtrierbarkeitsgrenze wird dadurch herabgesetzt. Der englische Ausdruck dafür ist Cold Filter Plugging Point (CFPP). Und dieser Punkt ist für die Wintermonate mit minus 20 Grad C festgelegt. Die Norm gilt für ganz Europa – mit unterschiedlichen CFPP-Werten und Zeiträumen.

58 Tankstellen im Winterdiesel-Test

Doch gibt es zwei Probleme: Woher weiß der Autofahrer, welchen Diesel er an der Tankstelle bekommt? Und was ist, wenn die Temperaturen unter minus 20 Grad sinken?

Im Test Winterdiesel gehen wir diesen Fragen auf den Grund: Haben die Tankstellenbetreiber Anfang November schon auf Winterdiesel umgestellt und liegt der CFPP tatsächlich bei minus 20 Grad? Von 58 Tankstellen haben wir österreichweit Proben entnommen, Markentreibstoffe und Diskontprodukte, mit Schwerpunkt Tirol (in Westösterreich sinken die Temperaturen häufiger unter den kritischen Bereich); unser Tester hat aber auch typische „Kältelöcher“ wie das nördliche Waldviertel, Lunz am See oder den Lungau in Salzburg aufgesucht.

ÖNORM EN 590 erlaubt Toleranz von plus/minus 3 Grad C

Vorab sei noch darauf hingewiesen, dass die ÖNORM EN 590 einen Toleranzbereich von plus/minus 3 Grad C zulässt. Das heißt, auch wenn der Winterdiesel schon bei minus 17 Grad ausflockt, gilt er als normgerecht.

3 Tankstellen nicht normgerecht

Nehmen wir das als Maßstab, so können die meisten Tankstellenbetreiber aufatmen. Nur 3 Dieselproben von 58 entsprachen nicht den gesetzlichen Bedingungen. AWI-Diskont in Wien 8 schaffte es nur auf schlappe minus 12 Grad – es war die einzige Biodiesel-Probe im Test. Enttäuschend auch A1 in Weißensee mit minus 15 Grad und die TK-Tankstelle in Zürs am Arlberg mit minus 16 Grad – beide Betriebe liegen in einer Gegend, in der tiefe Temperaturen im Winter alltäglich sind.

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Kommentare

  • Diesel Test
    von Lux Wolfgang am 23.12.2012 um 23:16
    Sie haben im Artikel die wichtigsten Punkte richtig angeführt. Der Test selbst ist aber nicht sehr aussagekräftig. Sie haben die Proben anfang November gezogen (Datum ist in der Tabelle leider nicht angeführt). Sie haben daher nur geprüft, an welcher Tankstelle (TS) welches Mischungsverhältnis (abhängig vom TS Umsatz) vorhanden ist, da der Winterdiesel erst wenige Tage vor dem 1.November ab Raffinerie erhältlich ist. Wenn das das Testziel war OK. Natürlich hilft dies einem einzelnen Autofahrer, der ev. Anfang November in einer exponierten Kältelage ist wenig, aber spiegelt nicht die Situation für den ganzen Winter. Hier könnte nur die Änderung der Termine in der Kraftstoffverordnung helfen, aber das zahlen wieder wir alle. Da sie ihre Proben beim Umweltbundesamt analysieren liesen, haben sie hoffentlich auch die Ergebnisse der periodischen Beprobungen (jeweils im Sommer und Winter)durch das Umweltbundesamt erhalten, die aussagekräftiger sind. Was leider auch sie nicht angeführt haben: Der CFPP wird mit einem Filter mit 50 Mikrometer Feinhet durchgeführt, in den Dieselfahrzeugen werden aber Filter bis zu einer Größenordnung von 5 Mikrometer (also 1/10) verwendet um die hochpräzisen Einspritzanlagen (Common Rail mit Mehrfacheinspritzung....) zu schützen. Dass dann die Paraffinkristalle schon viel früher den feinen Filter verstopfen ist klar. Es hängt nun davon ab, ob der Autohersteller durch verschiedene Maßnahmen (z.B.:Dieselfilterheizung) entsprechend vorgesorgt hat. Weiters haben die wenigsten Fahrzeuge (PKW) eine Dieselfilterentwässerung, man kann meist nur den Filter wechseln. Hier sollten die Autohersteller mehr in die Pflicht genommen werden. Die Forderung nach der Auszeichnung der CFPP Werte an der Tankstelle erscheint schwer machbar zu sein. Sie haben schon selbst festgestellt, dass die Wiederholbarkeit des CFPP Testes große Abweichungen ergibt, weiters dauert der Test sehr lange und wenn Tankstellen eine oder mehrere Lieferungen pro Tag bekommen, dies ev. noch aus verschiedenen Raffenerien / Treibstofflagern, kann bestenfalls ein errechneter (geschätzter?) Wert angegeben werden. Die Firmen, die einen Diesel mit höherem CFPP anbieten, werben sowieso damit. Und ein Diesel mit z.B.: CFPP -24°C wird sich in der Praxis unterschiedlich verhalten, je nach dem ob er durch Fließverbesserer, durch Entparaffinierung oder durch Verwendung leichter (teurer) Rohöle zu diesem Wert gelangt ist.
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