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Wärmepumpen: Öko-Models ...

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KONSUMENT 5/2012 veröffentlicht: 26.04.2012

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"Gutes Image": Interview mit Armin Themeßl

Interview mit Ing. Armin Thmeßl, dem Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien Kärnten.

Armin Themeßl, Geschäftsführer der AEE-Kärnten (Bild: mediendienst.com) 
Armin Themeßl, AEE

Für wen ist der Einsatz von Wärmepumpen interessant?

Themeßl: "Die" optimale Heizung gibt es nicht. Es gibt verschiedene Lösungen in Abhängigkeit unterschiedlicher Gegebenheiten. Wenn beispielsweise ein altes Gebäude thermisch auf zeitgemäßen Standard saniert wird (A bis A++ lt. Energieausweis) und das Wärmeabgabesystem (Fußbodenheizung oder Wandheizung) in den kältesten Tagen des Jahres mit weniger als 35 °C auskommt, sind Wärmepumpen gut geeignet.

Ist die Technik ausgereift? Wo liegen die größten Probleme?

Die Technik der am Markt angebotenen Geräte ist weitgehend ausgereift. Es kommen allerdings zunehmend Billigprodukte mit zweifelhafter Herkunft auf den Markt, bei denen man sich vielleicht nicht so sicher sein kann. Die Qualitätsunterschiede liegen in Effizienz, Langlebigkeit und Lautstärke der Anlagen und die größte Schwachstelle ist immer die Wassererwärmung, bei der hohe Vorlauftemperaturen mit noch einmal stark reduzierten Arbeitszahlen gefahren werden.

Der Stromverbrauch steigt durch den Betrieb von Wärmepumpen stark an. Kann sich die Investition in Anbetracht dessen noch rechnen?

Es stimmt, dass der kontinuierliche Zuwachs an Stromverbrauch auch direkt mit der Verbreitung der Wärmepumpen zusammenhängt. Eine Alternative: Mit einer thermischen Solaranlage können in unseren Breiten etwa 75 % des Warmwasserbedarfes zum „Sonnentarif“ bereitet werden. Natürlich geht es nicht ganz ohne Strom. Etwa 1 bis 1,5 % des Ertrages einer thermischen Solaranlage müssen als Strom eingesetzt werden.

Warum hat die Wärmepumpe in den vergangenen Jahren so stark zulegen können?

Die Wärmepumpe hat generell ein sehr gutes Image, weil die Meinung verbreitet ist, man würde fast ausschließlich mit Umweltwärme heizen und unabhängig sein. Es wird oft nicht bedacht, dass etwa ein Drittel des Endenergiebedarfs in Form von Strom aufgewendet werden muss, der pro kWh dreimal teurer ist als erneuerbare Energie. Als großer Vorteil wird auch gesehen, dass man sich nicht mehr um den Brennstoffeinkauf kümmern muss, dass es ohne Rauchfangkehrer geht und dass vor Ort keine Emissionen entstehen.

Wie kann es sein, dass das System Wärmepumpe gefördert wird, obwohl die Daten dagegen sprechen?

Mit Förderungen können und sollen Märkte bewegt werden und ich bin überzeugt davon, dass in wenigen Jahren auch Systeme, welche die Luft-Wärmepumpe mit direkter Sonnenenergienutzung kombinieren, die geforderte JAZ 4 erreichen werden. Ich befürworte es nicht, die Anforderungen für die Förderung zurückzunehmen, weil das die technische Entwicklung bremst. Der wirtschaftliche Druck auf die Politik scheint aber ziemlich groß zu sein.

Sollten Verbraucher das Geld besser in andere Techniken investieren?

Es gibt für verschiedene Häuser und verschiedene Bedürfnisse auch verschiedene Heizungssysteme. Ich persönlich frage mich, warum man den Umweg gehen sollte, aus Strom Wärme zu erzeugen, anstatt direkt aus klimaneutralen erneuerbaren Energien. Grundsätzlich gilt: Je weniger Heizleistung für optimale Behaglichkeit erforderlich ist, desto besser. Auf jeden Fall sollte man die Dienste einer unabhängigen Energieberatung nutzen.

 

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