KONSUMENT.AT - Bier: Brau-Union nimmt Beertender vom Markt - Brau-Union stiehlt sich aus Verantwortung

Bier: Brau-Union nimmt Beertender vom Markt

Ressourcenverschwendung

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veröffentlicht: 24.08.2018

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Liest man auf der Beertender-Homepage genauer nach, stellt sich zudem heraus, dass die Brau-Union an der Rücksendung der alten Beertender-Geräte nicht interessiert ist: „Das Alt-Gerät kann bei Altstoffsammelzentren entsorgt werden - eine Rücknahme im Lebensmittelhandel bzw. Rücksendung an die Brau-Union ist nicht nötig“, heißt es dort.

Brau-Union stiehlt sich aus Verantwortung

Mit dieser Vorgehensweise kommt die Brau-Union ihrer Verantwortung als „grünes“ Unternehmen, nicht nach, findet nun so mancher Kunde. Der knappe Hinweis an die Konsumenten, die alten Zapfgeräte doch bitte brav in einem Altstoffsammelzentrum zu entsorgen (der Beertender ist tatsächlich Elektroschrott), sei zu wenig. Schließlich geht mit der Umstellung auf das neue Zapfsystem eine enorme Ressourcenverschwendung einher. Es geht um Tausende funktionsfähige Altgeräte, die dadurch auf dem Müll landen werden. Die Brau-Union spricht von mehr als 10.000 registrierten Beertender-Kunden, mit denen man über den „Beertender-Club“ Kontakt habe. Rechnet man jene Konsumenten hinzu, die sich nicht bei diesem Club registriert haben, kann man die genannte Zahl wohl verdoppeln.

Beertender richtig entsorgen

Darüber hinaus besteht die große Gefahr, dass viele Beertender nun einfach im Restmüll landen. Das wäre fatal, da diese Metall-Kühlelemente enthalten, die nicht einfach weggeworfen werden dürfen.  

Laut Elektroaltgeräteverordnung können alte Elektrogeräte beim Kauf eines Neugerätes in Geschäften, deren Verkaufsfläche größer als 150 m² ist, kostenlos abgegeben werden. Auch Online gibt es diese „Erweiterte Herstellerverantwortung“. Diese besagt im konkreten Fall, verkürzt ausgedrückt, dass die Brau-Union für die ordnungsgemäße Sammlung und Verwertung der Beertender in entsprechenden Rücknahmestellen schon bezahlt hat.

Einweg statt Mehrweg

Die Systemumstellung bringt einen weiteren Öko-Fehler mit sich. Während die 4-Liter-Gebinde wiederbefüllbar waren, sind es die neuen Torps nicht. Sie bestehen aus PET-Material, also Kunststoff. Von Seiten der Brau-Union ist man sich der Problematik bewusst und spricht von einem „triftigen Kritikpunkt“. Aber wegen des „Online- bzw. Versandhandels mit Paketdienst-Zustellung, ist ein europaweites, funktionierendes Mehrwegsystem in diesem Fall nicht umsetzbar. Daher müssen für die Sub Einweg-Fässer verwendet werden.“ In Österreich seien die Torps durch das ARA-Entsorgungssystem lizenziert.

Wohin mit den alten Fässern?

Ein länderübergreifendes Mehrwegsystem mag herausfordernd sein. Letztendlich war es eine Managemententscheidung von Heineken, den Beertender entschlummern zu lassen. Vom Sub-System erhofft man sich wohl mehr Rendite. Und dafür muss das Management auch entsprechend Kritik einstecken können.

Über die Entsorgung der abertausenden 4-Liter-Mehrwegfässer, auf denen die Brau-Union nun sitzen bleibt, konnten wir der Pressestelle übrigens wenig Brauchbares entlocken. Auch diese seien ARA-lizensiert, hieß es. Wir fragten bei der ARA nach. Dort fühlte man sich für ein Mehrwegsystem (nachvollziehbarerweise) nicht zuständig. So oder so: ein zusätzlicher Müllberg, der entsteht.

Fazit: auf Konsumenten abgewälzt

Wenn die Brau-Union eine Systemumstellung macht, dann sollte sie sich zumindest um die Entsorgung der Altgeräte kümmern, und diese Aufgabe nicht auf die Konsumenten abwälzen. Für ein Unternehmen mit 700 Millionen Euro Jahresumsatz wohl kein Ding der Unmöglichkeit. Immerhin steht im Brau-Union-Nachhaltigkeitsbericht 2016 zu lesen: „Nachhaltigkeit ist die Basis unseres Handelns. [...] Wir werden weiterhin konsequent […] in all unseren Unternehmensbereichen nachhaltige Maßnahmen setzen.“
 

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Kommentare

  • beertender
    von kiteharry am 27.10.2018 um 16:39
    ich war die letzten 10 Jahre mit meinem Beertender äußerst zufrieden und sehe überhaupt nicht ein, warum ich ein funktionierendes Gerät entsorgen soll . Das Pfandsystem war perfekt und wir hatten immer frisch gezapftes , wohlschmeckendes Bier zuhause. Ich werde nicht umsteigen auf das 2l Wegwerfsystem und werde die Produkte der Brau-Union in Zukunft meiden.
    Ein sehr verärgerter Kunde !!!!
  • Eine Bier-Schweinerei!
    von willy duschka am 02.10.2018 um 15:56
    Ich hatte seit Beginn Beertender - im großen und ganzen (einige undichte Fässer) sehr zufrieden. Die wiederbefüllbaren 4-Liter-Fässer sind umweltfreundlich.
    Jetzt darf ich meine drei Tender entsorgen und die Umwelt damit belasten.

    Das Eintauschangebot ist relativ fair - aber:
    1. Alles aus Plastik und die Welt versinkt eh schon im Plastikmüll - noch ein Beitrag dazu.
    2. Ich will österreichisches Bier und nicht die aus aller Welt.
    3. Bis dato habe ich in keinem Supermarkt diese Dinger gefunden.
    4. Aus einem Beitrag habe ich herausgerechnet, dass ein Liter Bier in diesen Plastikdingern wesentlich teurer ist als beim alten Beertender.

    Ich bin höchst skeptisch und werde meine zwei SUBs nur fallweise verwenden, wenn nicht sogar entsorgen.
    Auf alle Fälle werde ich Biere der Brau-Union künftig vermeiden!
  • Inverkehrbringer des Beertenders, nun The Sub+Torps
    von stj am 01.10.2018 um 20:48
    Richtigstellung:
    Da die "österreichische" Brau-Union eine "Tochter" von Heineken (NL) ist, MUSS sie DAS machen, was die "Mutter" vorschreibt. Und die Mutter will eben IHRE Biere vertreiben. Bei den Torps sind es lt. Webseite ca. 24 Sorten - und die österreichischen Biere GÖSSER Stifts-Zwickl und Hofbräu Kaltenhausen sind eigenartigerweise "ausverkauft"???

    https://de.the-sub.com/de/biere/page2.html

    Der zusätzliche Plastikmüll wird durch die nicht-wiederbefüllbaren Einweg-Torps beträchlich werden (und da schei… sich die EU wegen Wattestäbchen -Frage: gibt es auch Mehrweg-Wattestäbchen???- und Trinkhalme -auch hier: mehrwegige Ausführungen schon marktreif???- an).
    Da die Torps nicht mehr im Handel erhältlich sind, darf ich
    a) zu Hause auf UPS warten
    - und
    b) tragen diese zusätzlichen Transportfahrten zu vermehrtem Verkehrsaufkommen und Abgasbelastung
    bei.

    Pro:
    wegen der kleineren Gebinde kann man natürlich öfter die Biersorte wechseln.
  • Beertender
    von messnerw am 28.09.2018 um 21:59
    Ich habe das neue Zapfsystem „SUB“ um € 15.- bestellt und werde es wahrscheinlich nach dem Verbrauch der mitgelieferten 4 Fässer im Keller bis zur weiteren Entsorgung zwischenlagern. Die Biersorten, die hier angeboten werden sind meist Spezialbiere mit höherem Alkoholgehalt oder holländische, spanische oder italienische Biere aus dem Heineken Konzern. Kein Gösser, kein Puntigamer oder Zipfer wie bei Beertender!
    Mir reicht es!
  • So nicht...
    von chris1976 am 03.09.2018 um 21:44
    Werde nachdem ich nun meinen Beertender entsorgen darf (muss) auf zukünftige Produkte der Brau-Union gerne verzichten. Was soll ich mit einem 2 Liter Fass, am Anfang schäumt es, am Ende schäumt es, das wird nun zu einem Geduldsspiel statt Biergenuss und das bei einem Krügerlpreis von 1,75€. Dafür leg ich mir gerne und günstiger Bierflaschen in den Kühlschrank und gut ist es.