KONSUMENT.AT - Ethik-Report: Bekleidungsindustrie in Italien - Ausbeuterische Arbeitsbedingungen

Ethik-Report: Bekleidungsindustrie in Italien

Ausbeutung wie in Südostasien

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KONSUMENT 1/2017 veröffentlicht: 22.12.2016

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Arbeiter kommen als Touristen ins Land

Die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten und Nähstuben sind oft vergleichbar mit denen asiatischer Textilfabriken. Üblicherweise kommen die Arbeitskräfte auf legale Weise nach Italien – via Touristenvisum –, wenn das Visum abgelaufen ist, werden sie zu Illegalen.

Miserables Gehalt und Todesfälle

Das durchschnittliche Gehalt, das die Fabrikbetreiber ihren chinesischen ­Arbeitern zahlen, liegt zwischen 200 und 300 Euro pro Monat. Die katastrophale Situation der Arbeiter ­wurde öffentlich, als 2013 aufgrund fehlender Sicherheitsmaßnahmen beim Brand einer Fabrik sieben Arbeiter starben. Vier weitere wurden schwer verletzt, weil bei einer Fabrik und einem ange­schlossenen illegalen Schlafsaal das Dach einstürzte. Nach dem Unglück wurden ge­zielte Maßnahmen ergriffen, die Region Toskana startete das Programm "Pakt sichere Arbeit".

"Wer daran teilnimmt, hat sechs ­Monate Zeit, seinen Betrieb den geltenden Sicherheits- und Arbeitsnormen anzupassen", erklärt Claudio Bettazzi, Vorsitzender des ­Gewerbeverbandes CNA Prato. "Und mittlerweile können wir auch erste ­Erfolge vor­weisen. Schwarzarbeit gibt es noch immer, aber zahlreiche Chinesen haben die Chance auch wahrgenommen."

Behörden laufen Firmen hinterher

Jetzt gibt es zwar mehr Kontrollen, aber die reichen laut der NGO Clean Clothes nicht aus. "Wenn eine Fabrik geschlossen wird, eröffnet sie wenig später unter einem anderen Namen wieder", wird ein Auditor im Italian Living Wage ­ Report von Clean Clothes zitiert. "Das Hauptproblem in Prato sind Schwarzarbeit und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen. Zudem gibt es Schlafstellen, wo 15 Personen auf ­engstem Raum schlafen müssen."

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