KONSUMENT.AT - Fotografieren: Sportfotografie - Fotos der Dramatik der Situation und von Unvorhesehbarem

Fotografieren: Sportfotografie

Die entscheidende Tausendstelsekunde

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KONSUMENT 2/2013 veröffentlicht: 24.01.2013, aktualisiert: 21.02.2013

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Technische Fortschritte

Die Geschichte der Fotografie ist gerade ­einmal knapp 200 Jahre alt. Noch jünger ist die Sportfotografie. Sie kam erst auf (Anfang bis Mitte des vorigen Jahrhunderts), als die technische Entwicklung entscheidende ­Fortschritte machte, als insbesondere die Objektive lichtstärker wurden und damit auch die Verschlusszeiten kürzer.

Die Kameratechnik ist wichtig, aber nicht ­alles. Wie in allen Bereichen der Fotografie gilt auch in der Sportfotografie, dass nicht die Kamera das Bild macht, sondern die ­Person, die sie bedient. Die beste Kamera nützt nichts, wenn sie ohne eine Idee ein­gesetzt wird.

Die technischen Voraussetzungen

Das entfernte Geschehen nahe heranbringen und groß einfangen – diese Prämisse der Sportfotografie verlangt nach einem Objektiv mit langer Brennweite, nach einem Teleobjektiv. Hier hat der Fotograf eine physika­lische Gesetzmäßigkeit zu beachten: Je größer die Brennweite, desto größer auch die Verwacklungsgefahr. Die Faustregel lautet: die Mindestverschlusszeit, die noch verwacklungsfreie Fotos aus der Hand garantiert, entspricht in etwa der Brennweite des Objektivs.

Bei einem Normalobjektiv von 50 mm wäre das also rund 1/60 Sekunde, bei einem Tele von 105 mm rund 1/125 Sekunde. Profis arbeiten mit Brennweiten von 400 mm, wenn nicht mehr; diese Objektive sind in der Regel sehr wuchtig und schwer – ohne Stativ geht da nichts mehr. Kommt hinzu, dass es die Sportfotografie vordringlich mit sich (sehr schnell) bewegenden Objekten zu tun hat – auch die verlangen eine kurze Verschlusszeit; dann jedenfalls, wenn eine klare und deutliche Wiedergabe erzielt ­werden soll.

Die Dramatik der Situation einfangen

Ein verwischter Sportler auf dem Foto, das kann ein technischer Fehler sein. Kann aber auch gewollt sein. Zwei Fußballer im Kampf um den Ball: Bewegungsunschärfe kann in diesem Fall helfen, die Dramatik der Situa­tion zu betonen. Je deutlicher dieser Effekt eingesetzt wird, desto größer auch die ­Chance, dass er nicht als technische Un­zulänglichkeit fehlgedeutet, sondern als ­bewusst eingesetztes Gestaltungsmittel erkannt wird.

Das „Unvorhersehbare“ planen

Ein guter Sportfotograf steht nicht nur mit seiner Kamera auf vertrautem Fuß, er kennt sich auch bestens in dem Metier aus, in dem er tätig ist – weiß also schon vor Anpfiff des Fußballmatches, welche der beiden Mannschaften die stärkere ist und in welcher Platzhälfte sich folglich das Geschehen hauptsächlich abspielen wird. Entsprechend wird er Aufstellung am Spielfeldrand nehmen. Denn was nutzen ihm die packendsten Strafraumszenen, wenn er hinter dem anderen Tor steht? Natürlich ist nicht alles planbar, der Sport lebt gerade von seinen unvorhersehbaren Momenten. Trotzdem sollte der Fotograf sich schon im Vorfeld einige Ge­danken darüber gemacht haben, was er ­aufnehmen will. Und wen. Und wie. Erfolg braucht ein Konzept. Ohne tragende Idee läuft er Gefahr, sich im unermesslich großen Motivangebot einer Sportveranstaltung zu verlieren.

Bei Fernsehübertragungen großer Sportereignisse sieht man immer wieder ein wahres Blitzlichtgewitter auf den Zuschauerrängen. Doch aus weiter Entfernung lässt sich selbst das größte Idol höchstens in Stecknadel­größe einfangen: Für die Erinnerung mag diese Aufnahme schön sein, als Sportfotograf werden Sie mit ihr keine Lorbeeren ernten.

Der Kampf um den Ball; Bild: Wenzel Müller  Der Kampf um den
Ball; Der Sportfoto-
graf möchte etwas
von der Dramatik im
Bild festhalten.
Der Sport lebet von Emotionen; Bild: Wenzel Müller  Sieg oder Niederlage,
Triumph oder Trauer:
Der Sport lebt von
Emotionen
Immer noch aktiver Vereinsobmann: Ladislaus Gallos; Bild: Wenzel Müller  Schon über 70, aber
immer noch aktiver
Vereinstormann:
Ladislaus Gallos aus
Steinberg, Burgenland
Der Torwart fliegt ins falsche Eck; Bild: Wenzel Müller  Der Torwart fliegt ins
falsche Eck - und der
Fotograf drückt im richigen
Moment ab.

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